Heutzutage muss ein Buch nicht erst von einem Verlag entdeckt und für vermarktungsfähig gehalten werden, denn dank Self Publishing steigt die Zahl der begabten und weniger begabten Autoren ständig an. Einige dieser Autoren sind davon überzeugt, einen zukünftigen Bestseller auf den Markt zu bringen, doch die Realität sieht anders aus. Das weiß auch die Autorin Daggi Geiselmann, die bereits einige Bücher im Selbstverlag veröffentlicht hat. Sie möchte in ihrem humorvollen Ratgeber Der Traum vom Bestseller und die harte Wirklichkeit anhand von Beispielen erklären, was auf dem Buchmarkt so alles passieren kann und welche Fallen es gibt. Sie berichtet von ihren eigenen Erfahrungen und erzählt von Ereignissen, die ihr zugetragen wurden.

„Eine Autorin packt aus“ – Diesen reißerischen Untertitel hätte Daggi Geiselmann wohl besser nicht gewählt, denn das Buch Der Traum vom Bestseller und die harte Wirklichkeit kann die Erwartungen, die mit einer solchen Aussage geweckt werden, nicht erfüllen. Die Autorin selber gibt ihren Lesern den Rat, „dass Bücher immer das halten sollten, was sie versprechen.“ Doch können die Schilderungen über das lächerliche Geplänkel einiger Autoren in sozialen Netzwerken oder Autorengruppen wohl kaum als Enthüllungen angesehen werden. Auch bei dem Thema Druckkostenzuschuss-Verlage kann die Autorin nicht mit Insiderwissen punkten, denn fundierte Informationen über die verschiedenen Verlage, deren Preise und welche Leistungen sie dafür erbringen, finden sich in dem Buch leider nicht.

Die Gepflogenheiten bei einigen deutschen Verlagen sind Daggi Geiselmann ebenfalls völlig fremd, denn sonst wüsste sie, dass Rezensenten bereits einige Wochen vor Erscheinen eines neuen „Bestsellers“ ein Vorabexemplar erhalten und eine Sperrfrist bis zum Erscheinungstermin des Buches einhalten müssen. Es ist also nicht verwunderlich, wenn direkt nach der Buchveröffentlichung fünfzig und auch mehr Rezensionen erscheinen. Dass ein solches Buch sofort eine gute Position im Verkaufsrang bei Amazon hat, liegt einfach an den vielen Vorbestellungen durch ein gelungenes Marketing. Die wagen Andeutungen, mit denen die Autorin dies anzweifelt, ohne es begründen zu können, sind keine Enthüllung, sondern einfach eine Frechheit.

Über weite Strecken glänzt die Autorin mit Unwissenheit über den Buchmarkt. Ihr sind anscheinend weder die wichtigsten Self Publishing Verlage, die Bücher mit einer deutschen ISBN veröffentlichen und somit jedem Buchhändler zugänglich machen, noch das „Verzeichnis Lieferbarer Bücher“ (VLB), in das Autoren ihre Titel eintragen können, bekannt. Daggi Geiselmann hätte gut daran getan, einige ihrer Ratschläge auch zu beachten, denn wider besseren Wissens hat sie das Cover zu ihrem Buch, das nicht ihren Vorgaben entspricht, selbst gestaltet. Für das Taschenbuch hat sie keine eigene Datei formatiert, weshalb auch keine Worttrennung in der Printausgabe zu finden ist. Stattdessen sind Links zu Webseiten im Text, die vier bis fünf Zeilen lang sind und wohl niemals von einem Leser abgetippt werden.

Wer gerne Klatsch- und Tratschgeschichten liest, wird mit dem Buch Der Traum vom Bestseller und die harte Wirklichkeit von Daggi Geiselmann bestens bedient. Das im lockeren, flotten Schreibstil verfasste Buch bietet einen gewissen Unterhaltungswert und enthält sogar einige Informationen. Fundiertes Wissen, wie man es von einem Ratgeber erwartet, vermittelt das Buch allerdings nicht, denn dafür hätte die Autorin ihren eigenen Rat befolgen und recherchieren müssen.

Daggi Geiselmann, Der Traum vom Bestseller und die harte Wirklichkeit, CreateSpace 2017, Taschenbuch, 142 Seiten, ISBN 978-1-5425-3887-9, Preis: 6,50 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

5 Kommentare

  1. Daggi Geiselmann

    Bedanke mich für die Beurteilung. Formatierung wurde noch nachgeholt mit Blocksatz, nachdem ich Ihnen das Rezensionsexemplar schon geschickt hatte. Zu den weiteren Beurteilungen möchte ich nichts sagen, außer dass man mehr Fachwissen hätte einbauen können, wenn man mehr Lust zur Recherche gehabt hätte. Da stimme ich Ihnen zu. Aber leider halten Kollegen, die als Verlagsautoren agieren, mit schlechten Erfahrungen auch hinter dem Berg. Mir ging es mehr um die Selfpublisher, die oft allein auf weiter Flur stehen, wenn sie ihr erstes Buch veröffentlichen wollen.

  2. Ja, wenn man keine Lust zur Recherche hat, dann sollte man auch kein Buch schreiben. Auch für Selfpublisher hätte ich mehr Hintergrundinformationen erwartet, denn inzwischen gibt es viele Verlage, die sich auf Self Publishing spezialisiert haben. Dabei sind die Preise und Leistungen, die sie erbringen, sehr unterschiedlich, und man kann als unerfahrener Autor den einen oder anderen Rat gut gebrauchen, um nicht gleich mit dem ersten Buch einen Reinfall zu erleben.

  3. Daggi Geiselmann

    Nochmal vielen Dank, dass sie sich überhaupt die Zeit genommen haben, mein Buch zu lesen. Ich sagte nicht, dass ich überhaupt keine Lust zur Recherche hatte, denn dann würde ich sicher nicht schreiben. Dieses Buch, ist von mir nicht als spezieller Ratgeber, in dem Sinne wie man sie kennt, gedacht. Eher eine lockere Lektüre, rund um den Buchmarkt, die man aber auch nicht als Biografie bezeichnen kann. Erfahrungen, die andere und teilweise auch ich selbst, gemacht haben, mal heiter, mal ernst.

  4. Welche Kategorie hätten Sie denn gerne? Ich zitiere aus Ihrem Buch: „Ja – und dann war sie plötzlich da – die Idee, welcher Art Ratgeber es sein soll.“ Das ist doch wohl autobiografisch und der Hinweis auf einen Ratgeber.

  5. Daggi Geiselmann

    Hier spricht natürlich der Profi. Gebe mich geschlagen. Eine Mischung aus Autobiografie und Ratgeber, mit zu wenig Quellenangaben.
    Danke nochmal und ich werde Ihnen bestimmt irgendwann noch ein besseres Buch aus anderem Genre von mir, zur Beurteilung vorlegen.

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