Das Matratzenhaus von Paulus Hochgatterer

Das Matratzenhaus
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Mit einem Epilog „Wie es gewesen sein muss“ beginnt Paulus Hochgatterer seinen Roman Das Matratzenhaus. Eine Frau geht mit einem Mädchen eine flache Anhöhe empor. Bevor sie das Haus betreten, ergreift das Mädchen ihre Hand. Zwei Männer und eine Frau unterhalten sich in einer fremden Sprache in der Halle. Sie bekommt von einem der Männer einen Umschlag und lässt das Mädchen los. Sie zählt das Geld aus dem Umschlag und verlässt das Haus, ohne sich umzublicken. Vielleicht lacht sie, vielleicht schreit sie auch.

Raffael Horn ist Psychiater im örtlichen Krankenhaus der fiktiven österreichischen Kleinstadt Furth am See. Seine Frau Irene arbeitet als Lehrerin, spielt leidenschaftlich Cello und hat ein Verhältnis mit einem durchgeknallten Benedektinermönch. Er befasst sich mit einer früh gestörten Selbstverletzerin und scheitert an dem Versuch die Zuneigung zu seinem Sohn Tobias zu finden. Nur der Sex mit seiner Ehefrau ist für ihn noch immer das Beste, was es gibt.

Kommissar Kovacs ermittelt in einem Fall, in dem ein junger Mann aus einer Höhe von sechzehn Metern von einem Baugerüst gefallen ist und sofort tot war. Ein anderer junger Mann versucht, sich ohne ersichtlichen Grund zu erhängen, wobei ihm aber ein nachgebender Haken das Leben rettet. Da die beiden gemeinsam in einer Band gespielt haben, scheinen die Fälle in einem Zusammenhang zu stehen. Da wird ein Kind auf dem Schulweg ins Gesicht und auf den Rücken geschlagen. Der Junge selbst ist verstört und will über die Tat nichts sagen. So bittet Kovacs den Psychiater Horn ihn zu befragen. Kurze Zeit darauf werden zwei weitere Kinder geschlagen, was Eltern und Öffentlichkeit in Aufregung versetzt…

Der Covertext zu Paulus Hochgatterers Roman Das Matratzenhaus ist mehr irritierend als nützlich, denn der Verfasser schreibt von einem „ungewöhnlichen Ermittlerduo“, dem Psychiater Dr. Raffael Horn und Kommissar Ludwig Kovacs. Doch die beiden sind kein Ermittlerduo, denn jeder der beiden Protagonisten agiert für sich und es sind lediglich Berührungspunkte in ihrer Arbeit, die die beiden verbindet. Raffael Horn ermittelt überhaupt nicht, da er viel zu sehr in dem begrenzten Kosmos gefangen ist, in dem er sich bewegt. Während Kommissar Kovacs zwar in verschiedenen Fällen ermittelt, aber auch mit persönlichen Problemen behaftet ist und deshalb auf der Stelle tritt. So ist es nicht verwunderlich, dass sich die Auflösung der Fälle von Kindesmisshandlungen eher zufällig ergibt und auf ein viel schwereres Verbrechen hindeutet. Die Andeutung, das ist Hochgatterers Metier. Meisterhaft versteht er es, damit zu spielen und eine unterschwellige Spannung zu erzeugen, den Leser im Ungewissen lassen und dadurch zu eigenen Gedankengängen zwingen. Auch wenn Das Matratzenhaus als „Krimi des Monats“ vom Verlag betitelt wurde, handelt es sich nicht um einen Kriminalroman, sondern um einen vielschichtigen Gesellschaftsroman mit kriminalistischen Zügen. Paulus Hochgatterer verarbeitet in dem Roman seine beruflichen Erfahrungen als Psychiater und erzählt eine bedrückende Geschichte, die den Leser lange beschäftigt und die er nicht vergessen wird. Seine Charaktere sind psychisch Kranke und Außenseiter, eben ganz normale Bürger einer Kleinstadt.

Paulus Hochgatterer, Das Matratzenhaus, Deutscher Taschenbuch Verlag 2011, Taschenbuch, 304 Seiten, ISBN 978-3-423-21335-6, Preis: 9,95 Euro.

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