Asmodeus ist der Älteste aller Dämonen und zuständig für Gier, Raserei und Wollust. Er ist ein immerwährendes Wesen und auch, wenn sich die Zeiten ändern, Asmodeus ändert sich niemals. Den Menschen ist nur nicht klar, wie sehr Asmodeus noch wirkt in der Welt. Während in Österreich die Heimattreuen gegen alles Fremde kämpfen, blättert bei den Roten der Lack ab, und die Schwarzen modern vor sich hin. Eine Koalition aus Zornbürgern, Neuen Linken und Resten der Grünen regiert. Der neue Papst ist ein Österreicher und die Herren Kleriker dürfen jetzt heiraten. Asmodeus könnte sich entspannt zurücklehnen und den Dingen ihren Lauf lassen, doch gelegentlich juckt es ihn, und er sucht Abwechslung. So macht es ihn manchmal glücklich, talentierten Einfältigen auf die Sprünge zu helfen.

Nachdem die Bibliothekarin Anika Lauscha ihren Freund Heinz-Herwig Gassner im Café Dattler mit einer Blonden flirten sieht, flüchtet sie durch das Gedränge von Touristen und versprengten Demonstranten, einer aus dem Ruder gelaufenen Demo, in ein Kirchenportal. In der kleinen Kirche findet sie sich plötzlich Auge in Auge mit der steinernen Fratze von Asmodeus, der von nun an nicht mehr von ihrer Seite weicht und die weiteren Ereignisse beeinflusst, indem er, nur für Anika vernehmbar, Ratschläge erteilt oder das Geschehen zynisch kommentiert. Kurzentschlossen lässt sie das Schloss zu ihrer Wohnung austauschen, packt die Sachen von Heinz-Herwig zusammen und verfrachtet sie zur Abholung in den Keller. Doch kurze Zeit darauf wird Heinz-Herwig an der Uferpromenade des Wienflusses mit einer Drahtschlinge ermordet. Bezirksinspektor Zwoneschek und sein Kollege Rashnan nehmen die Ermittlungen auf.

Nach einem weiteren Besuch im Café Dattler wird Anika von einem unbekannten Mann verfolgt, und sie versucht, ihren Verfolger abzuhängen. Dabei gerät sie ausgerechnet in die kleine Kirche, in der sich die Asmodeus-Statue befindet. Dort begegnet sie dem geheimnisvollen Mischa, den sie zunächst für einen Mönch hält. Doch seine Verkleidung als Mönch ist nur eine Tarnung, denn er hat sich in dem Kloster einquartiert, um dort in alten Büchern aus dem Nachlass des Bankmanagers Rothmann Hinweise auf sein verschwundenes Vermögen zu finden, während ehemalige Mitglieder der Bruderschaft „Milites Domini“ nach einer Satansbibel suchen.

In ihrem satirischen Polit-Krimi Das Asmodeus-Prinzip prangert die Autorin Helga Kolsky die Zustände an, die sowohl in der Politik, als auch in der Kirche herrschen. Flotte Szenenwechsel und unerwartete Wendungen bestimmen die Handlung und lassen keine Langeweile aufkommen. Der Roman ist voller Anspielungen auf die politische Szene in Österreich und bezieht sich auf die dortigen Verhältnisse, wobei einheimischen Lesern einiges aus der Realität bekannt vorkommen dürfte. Aber auch, wenn dem Leser diese Verhältnisse und Figuren nicht geläufig sind, wird er doch auf amüsante Art und Weise bestens unterhalten und kann sich an der einen oder anderen Stelle ein Schmunzeln nicht verkneifen. Denn letztendlich ist das Taktieren hinter den Kulissen und die Heuchelei in der Politik kein österreichisches Phänomen.

Helga Kolsky, Das Asmodeus-Prinzip, Tredition Verlag 2014, Taschenbuch, 337 Seiten, ISBN 978-3-8495-9592-0, Preis: 14,95 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

3 Kommentare

  1. Vielleicht muss man Österreicher sein, um den Roman wirklich zu verstehen. Die Idee mit Asmodi hat mir sehr gut gefallen und ich habe herzlich gelacht. Daraus hätte man mehr machen können. Insgesamt leider enttäuschend :(

  2. Mir war auch nicht alles geläufig und ich musste einiges googeln. Ich habe mich aber trotzdem bestens unterhalten gefühlt.

  3. Ich fand das Buch köstlich und als richtigen Pageturner geschrieben. Schon lange nichts so gerne gelesen wie das. (Ich bin Österreicherin :) )

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