In dem Kriminalroman Auf der Strecke von Claus-Ulrich Bielefeld und Petra Hartlieb steigt Xaver Pucher in Wien in den Zug, der ihn nach Berlin bringen soll. Er träumt vom großen Geld als berühmter Schriftsteller. Doch dazu kommt es nicht: Ein Zugführer findet ihn mit einer Drahtschlinge erwürgt vor.

Die Ermittlungen in dem Mordfall laufen nun koordiniert aus zwei Richtungen, aus Wien und Berlin. Erste Hinweise zielen auf einen islamistischen Hintergrund, weil Xaver Pucher bereits vor einigen Monaten Drohungen aus dieser Richtung wegen seines letzten Buches erhalten hat. Fatik Özül gibt allerdings zu Protokoll, dass seine Glaubensbrüder in dieser Sache nichts mehr unternehmen werden. Wie viele andere zählt auch Philip-Peter zum Kreis der Verdächtigen, weil er der letzte Anrufer auf dem Handy des Toten war. Chefinspektorin Anna Habel von der Mordkommission Wien sucht den Nachbarn des Ermordeten, Dr. Matthias Prokop auf und erhofft sich von ihm neue Hinweise, mit denen er allerdings nicht dienen kann. So macht sie sich auf die weitere Suche und kann Mohammed Namur ausfindig machen. Er ist der Bruder von Leyla, einer arabischen Freundin von Xaver Pucher. Da dieser sich aber nicht gesprächsbereit zeigt, lässt sie ihm eine Vorladung zukommen, der er jedoch nicht nachkommt. Leyla selbst ist nach einem missglückten Selbstmordversuch zunächst nicht vernehmungsfähig, obwohl man sich gerade von ihr entscheidende Hinweise erhofft hat.

Zeitgleich setzt sich ihr Kollege Thomas Bernhardt in Berlin mit Miriam Schröder, einer weiteren Freundin des Toten, in Verbindung. Als nächstes will er sich mit seiner Kollegin Cornelia Karsunke Philip-Peter vorknöpfen. Doch als sie ihn ein zweites Mal aufsuchen, werden sie von einer gewaltigen Explosion überrascht und niedergeschlagen. Nachdem sie wieder zu sich kommen, liegt Philip-Peter ebenfalls mit einer Drahtschlinge erwürgt neben ihnen.

Nach kurzem Krankenstand findet Thomas Bernhardt mit seinem Kollegen Cellarius einen Ordner in einem Bankfach, deren Text mit einem Computer-Programm verschlüsselt ist. Thomas Bernhardt und Anna Habel tauschen regelmäßig die neuesten Erkenntnisse telefonisch aus und müssen aber feststellen, dass sie kaum vorankommen. Sie haben ein Auge auf den Immobilien-Hai und Wirtschaftskapitän Meyer-Kötterheinrich geworfen, der mit Miriam in Wien gesehen wurde. Und ebenfalls wird Simon Kupfer verdächtigt, bei dem Leyla ihren Selbstmordversuch unternommen hat.

Anna Habel und Thomas Bernhardt stellen sich weiterhin die Frage nach dem Motiv. Islamisten könnten im Spiel sein, aber auch Drogen. Denn bei dem Toten wurde mehr Kokain gefunden, als er zum Eigengebrauch benötigt hätte. Und es gibt noch einen dritten Tod zu beklagen: Miriam begeht Selbstmord und springt von einem Balkon. Wie passt das nun alles zusammen? Die beiden Beamten, die auf der Beerdigung von Xaver Pucher zunächst keine Sympathien füreinander hegten, denn er hat sie für eine Ösi-Zicke gehalten und sie ihn für einen blöden Macho und präpotenten Chauvi, kommen sich näher und vermuten, den Schlüssel des Ganzen beim Treffen aller Beteiligten auf der Frankfurter Buchmesse zu finden. Dort kommt es zum Showdown.

Die Figuren, die Claus-Ulrich Bielefeld und Petra Hartlieb mit Anna Habel und Thomas Bernhardt in ihrem Roman Auf der Strecke geschaffen haben, sind dem Leser auf Anhieb sympathisch. Anna ist zwar etwas hyperaktiv, was allerdings ihrem Job nicht zum Nachteil gereicht. Und für Thomas sind Ironie und Sarkasmus seine Allheilmittel. Der Leser erfährt viel über das Privatleben der ermittelnden Beamten. Während sie ein pubertierendes Kind zu versorgen hat, erinnert er sich an seine Zeit, als noch Kiffen angesagt war. Oder an die Fluchtversuche aus der DDR, als er noch Che Guevara zitierte, das Kapital von Karl Marx oder über die Transformationsgrammatik Noam Chomsky las. Durch derlei Vertrautheit fällt es natürlich leichter, sich mit den Protagonisten zu identifizieren. Die beiden Autoren sparen auch nicht mit Kritik am Sozialsystem. Ein Geschäftsmann versteht unter Entwicklungshilfe, dass Arbeiter aus dem Osten für Subfirmen und billiges Geld arbeiten und es dann nach Hause tragen. Für unsere Hartz IV Empfänger wäre das kein Verlust, für sie reiche es schließlich noch für einen Urlaub auf Malle. Wer nun wissen möchte, wie Anna und Thomas auf der Frankfurter Buchmesse bluffen mussten, muss schon selbst in dem Kriminalroman Auf der Strecke von Claus-Ulrich Bielefeld und Petra Hartlieb nachschlagen.

Claus-Ulrich Bielefeld und Petra Hartlieb, Auf der Strecke, Diogenes Verlag 2011, broschiert, 368 Seiten, ISBN 978-3-257-24068-9, Preis: 10,90 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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