Anna Hood von Jürgen Jankofsky

Anna HoodAnna ist über das, was sie gerade in den Nachrichten sieht, entsetzt: Ein Flüchtling trägt ein totes Kind auf dem Arm, das er aus dem Meer kommend auf einem Strand ablegt, während ihm Touristen dabei zusehen. Sie hört den Spendenaufruf des Nachrichtensprechers und entschließt sich spontan, auf das Geld zu verzichten, das sie von ihren Großeltern für den nächsten Urlaub bekommen hat. Doch damit nicht genug. Anna sammelt auch Geld von Verwandten und Bekannten und sogar von Freunden auf der Straße.

In der Schule hört Anna von Robin Hood, der den Armen gab, was er den Reichen genommen hat. Fortan kleidet sie sich wie ihr Vorbild in grünen Farben und nennt sich Anna Hood . Im Internet startet sie einen Aufruf, der von ihr gegründeten Anna-Hood-Gang beizutreten, den andere teilen und in weitere Sprachen übersetzen. Anna ist von der Idee begeistert, dass Kinder in einen Streik für die Schaffung einer Reichensteuer treten sollten, indem sie sich weigern, Hausaufgaben zu machen oder Klassenarbeiten zu schreiben, bis ihre Forderung durchgesetzt wird.

Wie der Untertitel des Kinderbuchs Anna Hood von Jürgen Jankofsky bereits verrät, handelt es sich um ein Szenario, das in neunzehn Sprachen übersetzt wurde. Den Anfang macht die Geschichte in deutscher Sprache, wie der Text vom Autor verfasst wurde, gefolgt von arabisch, armenisch, bengalisch, chinesisch, englisch, französisch, georgisch, griechisch, hebräisch, hindi, japanisch, niederländisch, polnisch, portugiesisch, russisch, spanisch, tigrinya und schließlich türkisch. Jeder, in einer anderen Sprache übersetzten Geschichte, ist eine Illustration von Heike Lichtenberg vorangestellt, die Anna in landestypischer Kleidung und entsprechender Kopfbedeckung zeigt. Über die Protagonistin erfahren die jungen Leser nur, dass sie bereits eine Schule besucht. Über ihr Alter, ihren Wohnort oder die Familiensituation erfahren sie nichts.

Die Botschaft des Kinderbuches ist klar umrissen: Der Reichtum dieser Welt ist ungleich verteilt, was sich ändern muss. Das Ziel soll auch nicht sein, den Reichen alles zu nehmen, so dass sie selbst verarmen. Vielmehr sollten sie so viel abgeben, dass sie noch ausreichend zum Leben haben. Doch muss an diesem Punkt gefragt werden, wie sich Reich und Arm definieren. In Relation zu den Ärmsten dieser Welt, die nicht einmal über sauberes Trinkwasser verfügen, ist ein Hartz-IV-Empfänger bei uns reich. Wo soll die Grenze gezogen werden für diejenigen, die von ihrem Einkommen etwas abgeben sollen?

Natürlich sprengen diese Fragen die Intention, die von einem Kinderbuch ausgehen. So wünschenswert es auch wäre, wenn Kinder ein Umdenken in den Köpfen der politisch Verantwortlichen bewirken könnten, so wird das wahrscheinlich doch nur ein Wunsch bleiben. Krieg und Korruption verhindern, dass Hilfen dort ankommen, wo sie dringend benötigt werden. Es wäre schön, wenn sich den ehrenhaften Beispielen einiger mehr oder weniger prominenter Reicher mehr Menschen anschließen, denen es nicht weh tun würde, einen Teil ihres Vermögens mit anderen zu teilen. Das Kinderbuch Anna Hood von Jürgen Jankofsky erzählt eine Geschichte, die viele Kinder nachdenklich zurücklassen wird, und auf deren Fragen ihre Eltern wohl nicht sofort eine Antwort parat haben werden. Empfohlen wird das Buch vom Verlag für Vier- bis Sechsjährige, die besser auf die Altersgruppe bis acht Jahre ausgedehnt werden sollte, was dem Alter der Protagonistin näher kommen dürfte, wodurch sich die Leser besser mit ihr identifizieren können.

Jürgen Jankofsky, Anna Hood , Mitteldeutscher Verlag 2017, Taschenbuch, 236 Seiten, ISBN 978-3-95462-877-3, Preis: 9,95 Euro.

Bildquelle: Mitteldeutscher Verlag

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