Philip J. Dingeldey, der davon überzeugt ist, dass Nürnberg – einfach Spitze! ist, beginnt sein Buch mit der Aufzählung von Superlativen. Dazu zählen die älteste Buchhandlung sowie das größte Kino von Deutschland, in dem auch Silvesterpartys gefeiert werden. In Nürnberg steht die älteste Kettenbrücke Europas, die Stadt beherbergt den größten europäischen Figurenbrunnen und einzigartig auf der Welt ist auch ein riesiger Kessel für eine Feuerzangenbowle.

Der Autor weiß von mittelalterlichen Traditionen zu berichten und bis in diese Zeit zurückreichenden Festen. Er gibt Hintergrundinformationen zur Kaiserburg, dem Wahrzeichen von Nürnberg, schreibt von Fußball und Trachtenmode sowie vom fränkischen Dialekt. Natürlich widmet er auch dem weit über die Grenzen hinaus bekannten Christkindlesmarkt und den berühmten Nürnberger Lebkuchen einen Abschnitt und vergisst dabei nicht, ein weiteres Markenzeichen zu erwähnen: Die Nürnberger Rostbratwurst.

In die Rubrik der Legenden, von denen Philip J. Dingeldey schreibt, reiht sich die Figur des Kaspar Hauser ein. Bis heute konnte nicht geklärt werden, wer dieser Mann war und woher er kam. Weiterlesen »

Wie der Titel Wir sind die Kinder der 80er bereits vermuten lässt, geht es in diesem Buch von Philip J. Dingeldey um alles, was sich in diesem Jahrzehnt in der Welt ereignet hat, erfunden wurde oder gerade „in“ war. Mädchen spielten nach Recherchen des Autors mit einer Baby Born Puppe, und Jungen liebten Matchbox- und Siku-Autos. Das Rutschauto Bobby Car fand reißenden Absatz und Kinder sahen die Sesamstraße, lauschten den Hexereien von Bibi Blocksberg und lasen neben Büchern von Astrid Lindgren, Die unendliche Geschichte oder „Janoschs Traumstunde“. Für die Schule musste es ein Scout oder Amigo Schulranzen sein, die Poesiealben waren entweder blau oder rosa und beliebte Spiele waren das „Flaschendrehen“ oder die „Reise nach Jerusalem“. Die Geburtstage feierte man gerne bei Burger King oder McDonald’s, die Mädchen gingen zum Ballett und die Jungen spielten Fußball. Auf der Kirmes lockte der Auto-Skooter und leidenschaftlich wurden Figuren aus Überraschungseiern gesammelt. Weiterlesen »

Philip J. Dingeldey hat in seinem Buch Aufgewachsen in Nürnberg in den 40er & 50er Jahren natürlich in erster Linie von den Gegebenheiten in Nürnberg erzählt, doch dürfte sich die Situation in jeder anderen vom Krieg gebeutelten Stadt in Deutschland nicht anders dargestellt haben. Er erinnert an die Zeit rationierter Lebensmittel, die es nur mit Lebensmittelmarken gab und an den Bau von Luftschutzbunkern. Überall hat Juden das gleiche, grausige Schicksal ereilt. Die Bevölkerung war Großangriffen mit Brand- und Phosphorbomben ausgesetzt. Das Alltagsbild der Kinder war geprägt durch Tote auf den Straßen und sie hörten von Vätern, die auf Heimaturlaub von der Front kamen und neben einem zerstörten Haus nur noch die Gräber ihrer Familie vorfanden.

Um sich über das wahre Ausmaß des Krieges zu informieren, hörte man heimlich den Feindsender. Der Autor berichtet vom Elend der Kriegsgefangenen, die nicht selten beim Entfernen von Luftminen oder Blindgängern umkamen und von der Kinderlandverschickung. Er erinnert auch an den schlimmsten Tag für Nürnberg, als die Stadt am 2. Januar 1945 total zerstört wurde. Er schreibt von der Kapitulation, der Entnazifizierung und den Nürnberger Prozessen. Die Bevölkerung litt Hunger und zum anfangs nur einen halbstündigen Unterricht mussten viele Kinder barfuß gehen. Der Schwarzmarkt blühte, es gab eine Währungsreform und die BRD wurde gegründet. Weiterlesen »

In seinem Buch Koitus mit der Meerjungfrau stellt Philip J. Dingeldey neun Kurzgeschichten vor. Dabei geht es beispielsweise um das Schicksal einer seit zehn Jahren obdachlosen Frau oder auch um einen studierten Philosophen, der vom Arbeitslosengeld II lebt und bei der Tafel für Essen ansteht. Zwei Journalisten wollen über ein Massaker an Dorfbewohnern in der Wüste berichten und werden selbst auf brutale Weise zu Opfern. Eine andere gescheiterte Existenz holt sich Essen aus der Suppenküche und ein zum Tode Geweihter schließt sich an eine Vergessensmaschine an. Der brave Hiob verliert seinen Glauben an Gott und ein Priester vergeht sich im Glauben an Gottes Willen auf brutalste Art an einem Ministranten.

Die Geschichten von Philip J. Dingeldey stoßen den Leser auf genau die Dinge, bei denen die meisten Menschen gerne wegsehen. Schonungslos und voller Brutalität konfrontiert der Autor den Leser mit teilweise schockierenden Bildern. Er kritisiert aber auch den Schlankheitswahn, hirnlose Fernsehserien, den zur Zwangsräumung führenden Mietwucher und zu viele Impfungen gegen banale Krankheiten. Sarkastisch wird er bei den Verspätungen der Deutschen Bahn, hat die globale Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit zum Thema und lässt Boulevardblätter von alternden Analphabeten lesen. Weiterlesen »