Es ist keine Satire, wenn Frank Wittig in seinem Buch Krank durch Früherkennung behauptet, dass der Mensch durch die Wahrnehmung der Vorsorgeuntersuchungen in der Regel nicht länger lebt, sondern lediglich früher mit einer ihn traumatisierenden Diagnose konfrontiert wird. Bereits in seiner Einleitung spricht er von einer Überdiagnose, unter der er eine im Leben nicht weiter in Erscheinung tretende Krankheit versteht und der er sich schon in seinem Buch Die weiße Mafia ausführlich gewidmet hat.

Studien zum Nutzen und Schaden des Mammographie-Screenings, das nach seiner Auffassung lediglich eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme der Radiologen ist, seziert er quasi und rät allenfalls vorbelasteten Frauen zur Abklärung durch MR-Tomographie oder Ultraschall. Im Zusammenhang mit dem als Unsinn bezeichneten PSA-Test zur Früherkennung des Prostatakrebses geht der Autor der Frage nach, wie viel Krebs als normal gelten kann und stellt die gültigen Grenzwerte zur Diskussion, wobei er auch das Dilemma anspricht, vor dem Histologen stehen. Er geht der grundsätzlichen Frage nach, was Krebs überhaupt ist. Früherkennung ist oftmals nicht mehr als eine „Kaffeesatzleserei“, und das Hautkrebs-Screening, deren Einführung auf Grundlage einer nie veröffentlichten Studie basieren soll, gleicht einem „Wirtschaftskrimi“, da der Vorsitzende des Ausschusses identisch mit der Person ist, die für die Studie verantwortlich zeichnet. Weiterlesen »

Bereits in seinem Vorwort des Buches Die weiße Mafia spricht Frank Wittig von mafiösen Strukturen innerhalb der Medizin. Zur Erklärung führt er Bereiche an, in denen die Medizin nicht nur nicht hilft, sondern sogar schadet. Ein verblüffendes Ergebnis hat eine Studie im Zusammenhang mit der Knorpelglättung am Knie erbracht. Demnach ist dieser Eingriff genau so unnötig wie die viel zu häufige Entfernung der Gebärmutter. Symptomlosen Patienten wird ein Stent eingesetzt, der nur dem Arzt Geld einbringt. Denn bekommt dieser Mensch tatsächlich eines Tages Probleme mit seinem Herzen, kassiert die Klinik ein zweites Mal: Jetzt mit einem sinnvollen Bypass. Auch der in Deutschland häufigste medizinische Eingriff an der Bandscheibe hat meistens nur für den Chirurg einen Vorteil, Operationen werden konservativen Behandlungen vorgezogen. Und mit einem Lockvogel konnte der Beweis erbracht werden, dass Bohrer sogar an nicht kariösen Zähnen angesetzt werden. Dass alles haben wir einer Überversorgung zu verdanken, die dem Menschen mehr schadet als nutzt.

Nach Frank Wittigs Meinung gibt es bei uns mehr Operateure als kranke Menschen, weshalb die unbedingt zu kranken gemacht werden müssen. Darüber wurde vom ehemaligen Gesundheitsminister Bahr eine Studie in Auftrag gegeben, die ausgerechnet an die Deutsche Krankenhausgesellschaft erteilt wurde. Weiterlesen »