Es gibt Kunstwerke, die durchaus ein Vermögen kosten, und dennoch mag sich mancher Betrachter fragen, was ihm der Künstler damit sagen will. Vielleicht fragt er sich sogar im Stillen, ob er die Klecksereien oder Pinselstriche nicht genauso hinbekommen hätte. Es ist allgemein bekannt, dass sich über Kunst streiten lässt, wozu unzweifelhaft auch literarische Werke gehören.

Ähnlich ergeht es manchem Leser, wenn er das Büchlein Betrachtungen über Blaues und Schwarzes von Enya Benthaus zur Hand nimmt, in dem die Autorin in den Kapiteln „Himmel/Wasser“, „Blues/Rhythm“, „Die Blaue Blume“, „Nacht“ und „Bluescreen/Testbild“ Kurzgeschichten und Gedichte vorstellt. Da trifft ein Vater seine Tochter bei Regen in einem Café, doch erfährt der Leser nichts über den Dialog. Ein Mensch, der nicht an die Naturgesetze glaubt, springt vom Parkhaus und will fliegen, ein anderer springt von einer Stromleitung auf ein Zugdach. Als gerade promovierter Mediziner stellt jemand fest, dass er gar kein Mediziner sein will und bleibt niedergeschlagen von der Niedergeschlagenheit zurück. Der uns bekannte Tagesablauf liest sich in einer Chronik, bei der es um „Schranklinge“ und eine Katze beim Gewitter geht, folgendermaßen: „Gelb Uhr sechshundert“, „Schweden Uhr Kanada“, „Kuchen Uhr schokolade“, um nur einige Beispiele zu nennen. Weiterlesen »

Das Buch Die Zeckenbürstenkatzentreppe von Andreas Schumacher beinhaltet eine Sammlung von insgesamt neunundzwanzig Kurzgeschichten und Dialogen: So fliegt ein Student nach einem eBay-Kauf nach Manila und in einer weiteren Erzählung tüfteln drei Studenten an einem neuen Geschäftskonzept. Ein Mann beobachtet seine Nachbarn mit einem Fernglas, ein anderer findet auf der Suche nach seinem Sozialversicherungsausweis allerhand Verstaubtes und wieder jemand anderes hat beim Anblick zweier „junger Dinger“ Lust auf einen Dreier. In einer Geschichte geht es um eine Beschwerde nach dem Besuch eines Irrgartens, in einer weiteren um einen verschwundenen Schüler und eine andere gibt einen kuriosen Mailverkehr wieder. Der Weg in den Urlaub stellt sich für eine Familie als der alltägliche Wahnsinn dar, ein Dichter begegnet in seinem Heizungskeller einem Waldschrat und ein Gerichtsvollzieher begibt sich vor seinem Urlaub zu einem letzten Auftrag. Ein Alkoholiker verbringt seine Tage in einer Nervenheilanstalt, ein Bauer findet anstelle einer Frau den Tod und noch ein weiterer Toter ist nach einer Unterhaltung mit seinen Pflanzen zu beklagen. Drei Männer besuchen eine Gastro-Messe, während drei andere einen Kaugummiautomaten zu überlisten versuchen. Die Vermittlerin beim Arbeitsamt hat ihre liebe Not mit einem Langzeitarbeitslosen, eine Frau beschattet ihren Ehemann und weiß am Ende nicht mehr, wer wen beschattet. Weiterlesen »

Das Buch mondo kranko von Jonis Hartmann vereinigt 45 Kurzgeschichten unterschiedlichster Art, deren tieferer Sinn sich nur den wenigsten Lesern erschließen mag. Da wird eine Straßenbahn im Wasser versenkt und an einem Dünenrennen nimmt ein Pilot mit einer Taucherbrille teil, dem bei einer Bremsung die Kastration droht. Strandkörbe bewegen sich von allein, eine Fußballfrau vergräbt Eier und ein Mann erlebt einen Overkill, als er vor dem Fernsehen einschläft. Ein anderer Mensch nimmt in einem Schwimmring Kurs auf Calais, Finger steigen in einen Bus und einem pferdeähnlichen Mensch kommen Karotten aus den Ohren. Jonis Hartmann schreibt von turmhohen Mohnblumen und einer Riesenwelle, von einem grünen Himmel und einem einstürzenden Einkaufszentrum. Ein Großvater kreuzt Enten, bis alle die gleiche Scheckung aufweisen und ein Musiker lässt sich von einem Mädchen drei Finger mit einem Beil abschlagen. In weiteren Geschichten stopft sich ein Student Papierblätter in den Mund, ein Straßenmusiker nimmt das ihm zugedachte Geld nicht an sich und ein anderer gibt sich einmal als Sturmbannführer, dann als Wachtmeister und schließlich als Rundfunkmitarbeiter aus. Wo gerade noch ein Foyer stand, ist plötzlich alles verlassen und verschwunden und bei einem Saufgelage unter Freunden an einem See soll einer von ihnen den Suizid gewählt haben, was dann wohl doch nicht der Fall ist. Weiterlesen »

Der Journalist Nikolaus Peternella soll im Auftrag seines Verlages den Schriftsteller Wolfgang Maria Peter interviewen. Er verabschiedet sich von seiner Lebensgefährtin und seiner Nemesis, dem Hautarzt Dr. Eigenstuhler, und reist mit dem Zug nach Bad S. Von der Idylle der Berge und Seen ist er angetan und hat im Haus Seeblick ein Zimmer.

Peternella besucht den Schriftsteller auf Mariaplan, doch das Interview verläuft nicht wie erwartet. Im Frühstücksraum der Pension trifft Peternella auf seinen alten Studienkollegen, der ebenfalls eine Reportage schreiben soll. Zufällig wohnt sein Interviewpartner Alois Prrhrrwcz, ein berühmter Bildhauer und Nazikommunist, auch auf Mariaplan. Bei einem weiteren Treffen mit dem Schriftsteller Peter erfährt Peternella, dass dieser seinen Nachbarn nicht ausstehen kann und Peter überredet Peternella, auf die Blumenbeete des verfeindeten Nachbarn Prrhrrwcz Kuhmist zu verteilen.

Im Verlaufe eines Besäufnisses in der Pension sieht Peternella nicht mehr klar. Dass neben Schweinen an der Feier auch Kinder auf den Grill gespießt und gegessen werden, könnte an seiner gestörten Wahrnehmung liegen. In Ermangelung eines eigenen Fahrzeugs muss er sich jedes Mal von der Pension nach Mariaplan bringen lassen und gelegentlich begleiten ihn dabei noch weitere Fahrgäste im Auto, das der Zivildiener Isidor steuert. Weiterlesen »

Für seinen Roman Philpots Reise diente Sebastian Guhr das bereits 1726 veröffentlichte Werk Gullivers Reisen von Jonathan Swift, das nicht zu verwechseln ist mit der gleichnamigen Kinderbuchausgabe. Der Wissenschaftler Philpot schließt sich einer viele Jahre dauernden Expedition an und macht sich auf die Suche nach dem gelobten Land. Nach einem erlittenen Schiffbruch sind er und sein Vorgesetzter Homrig, von dem er sich jedoch trennt, die einzigen Überlebenden. Philpot findet sich in einem unbekannten Land, umgeben von Riesen, wieder und ist froh, als er auf Stella trifft, die seiner Sprache mächtig ist. Sie gibt dem Winzling Nahrung und Kleidung und will ihm bei der Verfassung eines Reiseberichtes behilflich sein. Nachdem auch ihr Mann Presto auf Philpot aufmerksam wurde und ihn für seine Versuchszwecke missbrauchen will, beginnt für Philpot eine abenteuerliche Flucht.

Wie schon in der Originalausgabe bedient sich auch Sebastian Guhr einer übertriebenen Erzählform, die stellenweise absurde Züge aufweist. Sein Protagonist stammt wie Gulliver aus der Stadt Mildendo, angesiedelt auf einer fiktiven Insel, und begibt sich wie dieser auf eine Reise. Unzählige Parallelen findet der Leser, wenn es beispielsweise um die Frage der Schriftführung geht, von welcher Seite ein Ei geöffnet werden sollte, wie die Toten zu bestatten sind oder auch, dass Philpot von Stella einkleidet wird und sie ihn sogar in ihrem Bett nächtigen lässt. Weiterlesen »

In der Antike war die gleichgeschlechtliche Liebe noch etwas ganz Natürliches, wenn damit auch vordergründig die Liebe eines erwachsenen Mannes zu einem Jüngling gemeint war. Im 4. bis 5. Jahrhundert hat sich die Einstellung zur Homosexualität mit der Ausbreitung des Christentums, das die Sexualität auf die Ehe beschränkte, grundlegend geändert. Gleichgeschlechtlicher sexueller Verkehr wurde mit dem Tod bestraft und in Deutschland erst 1969 legalisiert. In vielen Ländern der Erde drohen auch heute noch hohe Strafen bis hin zur Todesstrafe. Es ist in diesem Zusammenhang interessant, dass in einigen Ländern die Todesstrafe nur für Männer gilt, wogegen die gleichgeschlechtliche Liebe für Frauen legal ist. Von Bedeutung ist auch, dass sich Biologen nur schwer mit der Tatsache anfreunden konnten, dass es in der Tierwelt eine Schwulenrate gibt. Im Jahr 2006 fand in Oslo eine Ausstellung statt, die sich auf das umstrittene Buch „Biological Exuberance“ von Bruce Bagemihl stützte, wonach Giraffen, Wale, Delfine und Königspinguine Gefallen an gleichgeschlechtlichen Artgenossen haben. Die Schwulenrate soll bei Rosenkakadus 40% betragen und sogar 80% der Zwergschimpansen sollen bisexuell sein. Weiterlesen »

Unsere Erdkugel ist eingehüllt vom Gestank nach faulem Eiter und verbranntem Fleisch. Leichenberge, stöhnende Verwundete, schreiende Operierte tummeln sich. Man lebt in der Schanz, wo es unerträglich heiß ist und dunkle Löcher in die Tiefe führen. Dieses düstere Bild zeichnet Oliver Gasperlin in Blech – Blech auch, wohin man sieht!

Der Ich-Erzähler ist mit seinem Führer unterwegs und hat schwer an Raketenwerfern und Navigationsinstrumenten zu tragen. Nach dem Tod seines Führers heuert er in einer neuen Truppe an und erreicht mit seinen Kameraden einen Brunnen, der jedoch nur verseuchtes Wasser führt und alle an Diarrhoe erkranken lässt. Bei einem Pharmakologieprofessor entdeckt der Protagonist eingesperrte Kreaturen. Die Menschenversuche geraten dem Professor außer Kontrolle und er wird samt seinem erschaffenen Übermenschen Opfer einer gewaltigen Explosion. Der Erzähler wird nun verpflichtet, die Versuche fortzuführen. Er soll Menschen in Massenproduktion für ein Heer erschaffen, die keine Furcht und keine Schmerzen kennen. Auf die Erschaffung des Gehirns könne verzichtet werden, da es nur hinderlich wäre. Weiterlesen »

Ein Buch – siebenundachtzig Geschichten. Die meisten erreichen den Leser in einer Gedichtform, einige wenige auch als Prosa. Da erkennt ein Mann erst zu spät, was er an einer Frau hatte. Ein anderer beobachtet erst eine Frau im Theater, wie sie mit Gegenständen schmeißt. Später wird er selbst Opfer ihrer Wut.

Johannes Witek spricht in seinen Erzählungen häufig Menschen an, die sich völlig einem System untergeordnet haben. Sie merken nichts mehr, sehen nichts mehr. Die Regeln der Gesellschaftsordnung, denen sich alle zumindest dem Schein nach unterwerfen, kritisiert er scharf und wirft immer wieder die Frage nach der Sinnlosigkeit überhaupt auf. Er fragt nach den Träumen der Menschen. Stellt den Wunsch nach Frau, Kind und Skiurlaub in Kitzbühel infrage und hält diese Leute für Spießer. Johannes Witek zeigt auf, wie Schicksalsschläge den Menschen formen und wie er sich dadurch verändert. An einer Stelle behauptet er, dass der gesunde Menschenverstand ein Fehler in einer Welt ist, die nicht aus Vernünftigen besteht. Er merkt an, dass einige Menschen die Hoffnung auf ein baldiges Ableben eines Angehörigen haben. Und er spricht die Lüsternheit an, die selbst oder gerade noch am Schafott anzutreffen ist. Zu bedenken gibt er, ob wirklich nichts von nichts kommt und ob unsinnige Tierexperimente sein müssen. Weiterlesen »

Jonis Hartmann lässt in seinem Buch Romanino den jungen Sebastian von einer Brücke in den Tiber springen. Er ist fest entschlossen, seinem Leben ein Ende zu setzen. Seine letzten Gedanken gelten Laura, der Treulosen, der Gattin des Kaisers. Für sie hätte er in Rom gegen jeden Gladiator gekämpft. Doch nun? Was ist aus ihm geworden, wie sieht er heute aus? Geschunden und zermartert. Sein Vater war Senator, das sollte er auch werden. Laura ist an allem schuld. Nun versucht er verzweifelt, sich unter Wasser zu drücken, was ihm nicht gelingen will. Zu allem Überfluss hat auch noch Crudus den Aufschlag aufs Wasser gehört und eilt ihm mit seinem Boot zur Hilfe. Crudus hofft auf die Aufnahme bei den Tiberschiffern und muss sich deshalb einer Prüfung unterziehen. Es gilt, eine geheime Fracht ungesehen den Tiber hinaus zu transportieren. Ihm soll ein Bündel von der Brücke geworfen werden, das er mit seinem Boot aufzunehmen hat.

Bott, der ausgezeichnet mit dem Degen umgehen kann, ist von krankhafter Geistesschwäche befallen und befindet sich auf der Flucht vor Menigund, seiner streitbaren Gemahlin. Er hofft, bald auf dem Kaiserthron zu sitzen. Weiterlesen »

Stahlstück von Sebastian Guhr ist eine Sammlung von 15 in sich geschlossenen Erzählungen. Ein ehemaliger Ministrant berichtet in „Echnaton der Zweite“ von stumpfsinniger Anwaltsarbeit und dass seine Kollegen ihre Gleichgültigkeit sogar vor sich selbst verbergen können. Nach einem alles vernichtenden Feuer hält sich das Gerücht, ein Junge kann durchs Feuer gehen ohne Schaden zu nehmen. In „Hüben wie drüben“ besucht eine Schwester ihren Bruder und es entwickeln sich Gespräche mit weiteren Gästen. Dabei geht es unter Anderem um die Arbeitsmoral, wobei ein Großteil der Bevölkerung nur zu Leistungen fähig ist, wenn sie sich prostituiert. Die Frage bleibt offen, wer hier auf Kosten anderer lebt.

Die Titelgeschichte „Stahlstück“ spielt an einem Ort, wo Fixerutensilien und Hundekot herumliegen und es nur unbrauchbare Bänke gibt. Eine Musikerin trifft auf einen Menschen mit nicht augenfälligem Geschlecht und unförmigem Körper. Für eine Eröffnungsfeier soll sie ein Stück komponieren und obwohl sie ihr bestes und gleichzeitig schlechtestes Stück fertig stellt, sagt sie doch ihren Auftrag ab. Weiterlesen »

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