Eines Nachts erwartet Juliette Tolédano mit dem Pfleger Guillaume die Ankunft eines Schwerverletzten auf der Intensivstation. Der diensthabende Chirurg hat alles gegeben, um den Arm des erst 25-jährigen Feuerwehrmannes Roméo Fourcade zu retten, nachdem dieser durch den Druck einer explodierenden Gasflasche bei dem Versuch, ein Kind aus einer brennenden Wohnung zu retten, aus dem achten Stock von der Leiter geschleudert wurde. Als er wieder das Bewusstsein erlangt, hat er zunächst keine Ahnung, wie es um ihn steht. Doch dann verfällt er in Selbstmitleid und sieht in seinem Leben keinen Sinn mehr. Juliette kann ihn mit ihrer einfühlsamen Art aufbauen, und trotz knapper Zeit hält sie ihm immer wieder liebevoll die Hand. Roméo sehnt die Tage herbei, an denen sie Dienst hat.

Wie schwer es Juliette momentan hat, ahnt Roméo nicht, denn sie unterzieht sich einer Hormonbehandlung, um endlich ein Kind zu bekommen. Dauernd fühlt sie sich müde und ist den Strapazen der Wechselschicht kaum gewachsen, wofür ihr Lebenspartner Laurent, der als Bankleiter einen gut bezahlten Posten bekleidet, allerdings wenig Verständnis zeigt. Weiterlesen »

Erst vor zwei Wochen hat Björn eine neue Stelle bei einer Behörde in Stockholm angetreten. Mit dreiundzwanzig Kollegen ist er in einem Großraumbüro untergebracht. Sein Schreibtischnachbar Håkan verhält sich ihm gegenüber eher abweisend, und auch das Verhältnis zur Empfangsdame Margareta kühlt nach kurzer Zeit ab. Björns Kollegen wundern sich wie auch sein Chef Karl darüber, dass er gelegentlich einfach so, völlig still und in sich gekehrt, an der Wand zwischen dem Aufzug und der Toilettentür steht. Doch Björn behauptet, dort ein kleines Zimmer mit einem Computer und Aktenordnern im Regal entdeckt zu haben.

Da er niemand von der Existenz des Zimmers überzeugen kann, sucht er selbst nach Beweisen und vermisst das Büro, indem er die Tapetenbahnen zählt und mit einem Lineal die Abmessungen bestimmt. Demnach ist eigentlich gar kein Platz für ein Zimmer, und er kann sich selbst die offensichtlich raffinierte Architektur nicht erklären. Doch Das Zimmer muss es geben, denn schließlich schöpft er dort neue Kraft.

Jonas Karlsson verrät von seinem Protagonisten Björn weder etwas über sein Privatleben, noch darüber, ob er Freunde hat oder was er in seiner Freizeit macht. Auch über das Aussehen von Björn, der von seiner Arbeit in einem Großraumbüro in der Ich-Form berichtet, erfährt der Leser nichts. Über seinen Charakter weiß er dafür umso mehr: Er ist ein Streber, der die Arbeit sogar noch mit nach Hause nimmt, besitzt ein übersteigertes Selbstbewusstsein und zwanghafte Züge, wenn er den Arbeitstag streng danach einteilt, wann er sich den Gang zur Toilette erlaubt. Weiterlesen »

Karola bangt um ihren Arbeitsplatz als Dekorateurin, hat ihr Konto überzogen und zahlt noch einen Kredit ab. Um an Geld zu kommen, gibt sie ein Inserat auf, und tatsächlich meldet sich daraufhin ausgerechnet an einem Sonntagmorgen ein Anrufer: Für tausend Euro soll sie ein Auto von der Schweiz nach Mannheim überführen, das allerdings noch am selben Abend in der Garage seiner Eltern stehen muss. Karola überlegt nicht lange und sagt zu. Auf dem Weg zu ihrem Auftraggeber wird sie von ihrer Freundin Regine begleitet, und als die beiden Frauen den Zug nach Zürich besteigen, schließt sich ihnen Giulia an, eine Italienerin, die Regine von ihrer Tätigkeit als Arzthelferin kennt.

In der Schweiz nehmen die Frauen das Fahrzeug entgegen und treten die Heimreise an. Doch als sie im Kofferraum eineinhalb Millionen Euro in 500er Scheinen entdecken, glauben sie ihren Augen nicht zu trauen. Geradeaus ist keine Himmelsrichtung, das wissen sie auch, aber für sie heißt es erst einmal Gas geben und nichts wie weg. Einer Rundfunkmeldung entnehmen sie, dass am Aufenthaltsort ihres Auftraggebers eine Explosion stattgefunden hat und die Indizien, so der Sprecher, deuten auf eine Beteiligung der Mafia hin. Karola, Regine und Giulia ziehen sofort Parallelen zu dem Geldfund, und wenn die Mafia jetzt auch hinter ihnen her ist, müssen sie sich schnellstens von dem Auto trennen. Weiterlesen »

Nach dem Tod ihres Mannes vor vier Jahren lebt die Anwältin Nikola Petersen alleine mit ihren beiden Kindern Tessa und Max in Hamburg. Auf ihre Schwiegermutter Gisela, die sich spontan zu einer Kreuzfahrt entschlossen hat, kann sie ausgerechnet während der zähen Scheidungsverhandlung ihrer Freundin Florentine nicht zählen. Die wurde nämlich von ihrem Mann Ulf mit drei kleinen Kindern im Stich gelassen, und obwohl die Eheleute erst vier Monate getrennt leben, behauptet er vor Gericht, dass das Trennungsjahr bereits verstrichen ist. Sein Anwalt Dr. Schleitheimer ruft dazu eine Zeugin auf, die das bestätigt, was wiederum für Florentine den Wegfall des Trennungsunterhaltes bedeuten und sie vor große finanzielle Probleme stellen würde.

An der ganzen Geschichte, die Ulf dem Gericht aufgetischt hat, scheint nach ersten Recherchen der beiden Frauen etwas faul zu sein. Deshalb will sich Nikola mit dem Strafverteidiger Simon beraten, der in Zusammenarbeit mit ihrem Sozietätpartner Alexander einen Plan ausarbeitet. Doch sie sorgt sich nicht nur um ihre Freundin Florentine. Auch in ihr Privatleben stürzt so einiges „ziemlich unverhofft“ ein. So zeigt sich Simon enttäuscht darüber, dass seine wiederholten Annäherungsversuche stets vereitelt werden, Alexander rückt mit einem Geständnis heraus und Nikolas Nachbar Tiziano stellt sie seiner Mutter als seine Verlobte vor. Weiterlesen »

Sigmund Seiler hält in der Siegerlandklinik jeden Freitag eine Lesereihe für die Patienten ab, in der er ihnen aus einem Buch über seine eigene Leidensgeschichte vorliest: Ihn, den achtundfünfzigjährigen Sigmund Seiler plagen Schmerzen, die von seiner Bandscheibe ausgehen und ihn quält der Ischiasnerv, weswegen er zur Physiotherapie in die Rehaklinik kam. In seiner Freizeit rezitiert er literarische Texte, teilt er seinen Zuhörern mit und lebt seit der Scheidung von seiner Frau Margot mit seiner sechzehnjährigen Tochter Susi zusammen. Eines Tages vernimmt er an der Theke im Casino des Media Centers der Klinik eine Stimme einer gutaussehenden Dame, die eine Bestellung aufgibt. Von nun an ist er von dem Gedanken besessen, ihren Namen ausfindig zu machen und mit ihr ins Gespräch zu kommen.

Mit diesem kurzen Abriss erschöpft sich das Handlungsgeschehen des Romans Der Liebesidiot von Hajo Steinert bereits. Doch das literarische Talent des Autors zeigt sich erst in seinen Ausführungen zu den Gedanken und Erinnerungen von Sigmund Seiler, der wiederum die Zuhörer in der Siegerlandklinik daran teilnehmen lässt. Er referiert ausführlich über seine Leidenschaft als Vorleser, die er mit der besonderen Betonung bis zum Perfektionismus betreibt, nachdem er von seinem Vater gelernt hat, schon auf kleinste Nuancen unterschiedlicher Geräusche zu achten. Weiterlesen »

Die zweiundfünfzigjährige Lehrerin Salli Sturm bringt Ausländern in einem Institut die deutsche Grammatik bei. Sie ist unverheiratet und alleinstehend, denn nachdem ihre Mutter verstorben ist, hat sie sich um die Belange ihres Vaters gekümmert und ihre Beziehung mit einem Ethologen beendet. Zwölf Jahre später machte sie die Bekanntschaft eines Professors der Linguistik, der gut zu ihr gepasst hätte, doch ihrem Vater zuliebe beendete sie auch diese Affäre. Nach dem Tod des Vaters verkaufte sie das Elternhaus und zog in ein Apartment in Schwabing.

Erst vor neun Monaten ist der fünfzigjährige Dr. Anselm Donnerstag an seine frühere Wirkungsstätte im Institut zurückgekehrt, was bei dem stark frauenlastigen Kollegium zu Aufregung geführt hat. Sein Anblick hat Salli vollkommen eingenommen, denn der gutaussehende, gebildete Akademiker ist nur zwei Jahre jünger als sie und scheint aktuell keine Frau an seiner Seite zu haben. Salli, die keinen akademischen Titel vorweisen kann, sondern nur das Erste Staatsexamen gemacht hat, würde gerne eine wissenschaftliche Arbeit veröffentlichen und für dieses Vorhaben scheint ihr Anselm der richtige Mann zu sein. Doch auch die Kollegin Barbara Müller zeigt Interesse an dem Kollegen, der die beiden Frauen auf eine Kleinanzeige aufmerksam macht: Brauch ich Lehrer für Deutsch. Bitte anrufen mir. Während Barbara Müller glaubt, dass dieser Privatschüler ein hoffnungsloser Fall wäre, ist Salli davon überzeugt, dass jeder Deutsch lernen kann. Weiterlesen »

Die achtundzwanzigjährige Jasmin hat den Mann fürs Leben noch nicht gefunden. Gerade hat sie eine Nacht mit einem Abiturienten verbracht, als sie plötzlich seinen Eltern gegenübersteht, worauf sie Hals über Kopf die Flucht ergreift und in einer Straßenbahn Platz nimmt. Ihr gegenüber sitzt die zweiundachtzigjährige Alma, die sich aus Verzweiflung in den Tod stürzen will. Wie es aussieht, hat ihr verstorbener Ehemann Schulden gemacht, die der skrupellose Kredithai Matzke von ihr zurückfordert. Da sie die geforderte Summe in Höhe von elftausend Euro nebst Zinsen von ihrer mageren Rente nicht aufbringen kann, hat sie ihre Katze ins Tierheim gebracht und sieht ihrem letzten Stündlein entgegen. Unerwartet kommt es zu einem abrupten Bremsmanöver der Straßenbahn, wobei Jasmin gegen Alma geschleudert wird.

Nachdem sich Alma von der Aufregung beruhigt hat, glaubt sie ihren Augen nicht zu trauen: Sie trägt den aufreizenden und schamlosen Minirock von diesem „zerrupften jungen Huhn“ mit nackten Beinen, während Jasmin entsetzt auf den „Kartoffelsackmantel“ blickt, den sie trägt. Beide müssen zur Kenntnis nehmen, dass sie offensichtlich die Identität der jeweils anderen angenommen haben und verlassen die Straßenbahn. Weiterlesen »

Nach dem Tod ihres Mannes hat sich die kinderlos gebliebene Oma Else vor eineinhalb Jahren noch einmal verliebt. Die Zweiundachtzigjährige wohnt mit Rudolf in seinem Haus und hütet mit ihm den Hund seiner Enkelin. Während eines Strandspaziergangs stoßen die beiden auf eine Flaschenpost, der sie aber, nachdem sie durch den Hund abgelenkt wurden, keine Aufmerksamkeit mehr schenken. Nach einem Besuch von Otti, einem Freund, verhält sich Rudolf merkwürdig. Ihren Fragen, was denn mit ihm los ist, weicht er aus. Deshalb beschattet Oma Else ihn und wundert sich, als er in einem Ärztehaus verschwindet. Um eventuell von Otti etwas zu erfahren, begibt sie sich zu seinem Arbeitsplatz, wo sie ihn jedoch nicht antrifft.

Eines Tages steht der Bruder von Rudolf vor ihrem Haus, der Oma Else mit Komplimenten überschüttet. Am Strand verbringen die beiden romantische Stunden und tanzen anschließend am Hafen zur Musik einer Gruppe älterer Musiker. Doch der schöne Abend lässt Oma Else nicht vergessen, dass Otti und Rudolf ein Geheimnis verbindet. Bei ihren Nachforschungen sieht sie zu allem Überfluss auch noch, dass Rudolf sie offensichtlich mit einer anderen Frau betrügt. Weiterlesen »

Zu Beginn der 1960er Jahre löste die Einführung der Antibaby-Pille eine sexuelle Revolution aus. Insbesondere Studenten schlossen sich zu Wohngemeinschaften zusammen, die nicht selten politisch motiviert waren. Als Idol einer ganzen Generation ist das Model Uschi Obermaier zum Inbegriff der 68er-Bewegung geworden und propagierte Die freie Liebe. Entdeckt wurde sie von Mitarbeitern der bis 1971 existierenden Jugendzeitschrift Twen, die sich offen über für die damalige Zeit tabuisierte Themen wie vorehelichen Geschlechtsverkehr oder Homosexualität äußerte, sich aber auch kritisch mit der NS-Vergangenheit auseinandersetzte.

Im Jahr 1971 zieht der einundzwanzigjährige Germanistik-Student Wolfgang Wegener in dem Roman von Volker Hage nach München. Neben anspruchsvoller Literatur liest er den Spiegel und die FAZ, aber auch mit Vorliebe Texte, in denen es wie in den regelmäßig erscheinenden „twen“-Heften um die Beziehung der Geschlechter geht. Er zieht in eine WG zu Larissa, ihrem Verlobten Andreas und Claudia. Obwohl in seiner Heimatstadt Lübeck Anna auf ihn wartet, entwickelt sich zwischen ihm und der in sexueller Hinsicht völlig offenen und Die freie Liebe propagierenden Larissa eine Beziehung, nachdem sie sich über ihre sexuellen Erfahrungen ausgetauscht haben. Ihrem Verlobten gegenüber verschweigt sie nichts, doch auf Dauer führt die komplizierte Dreiecks-Beziehung zu Problemen, die Wolfgang in eine Krise stürzen. Weiterlesen »

Wenn sich jemand nicht mehr an das Geschehen vor einem ganz speziellen, zumeist traumatischen Ereignis erinnern kann, sprechen Mediziner von einer retrograden Amnesie. Darunter leidet in dem Roman Fremdes Leben eine Frau, die unter anderem mit schweren Schädelverletzungen nach einem Autounfall in die Universitätsklinik Köln eingeliefert wird. Auf Wunsch ihres Ehemanns wird sie in eine private Klinik verlegt und dort für die nächsten eineinhalb Jahre in ein künstliches Koma versetzt. Nach einem Problem mit ihrer Beatmung wird die Frau in ein Krankenhaus überführt, wo sie zur Überraschung aller nach neun Tagen das Bewusstsein wiedererlangt. Von der behandelnden Ärztin Dr. Scheuer erfährt sie, dass sie Claudia Beermann heißt, was sie jedoch bestreitet, denn sie glaubt, Cilly Castrup zu sein. Außerdem, so erklärt ihr die Ärztin, soll sie sich in der privaten Pflegestelle eine die Atmung erleichternde Trachealkanüle selbst herausgerissen haben. Dr. Scheuer zeigt sich verwundert, dass ihre Patientin mit den medizinischen Fachbegriffen offensichtlich vertraut ist und lässt sich davon überzeugen, dass sie zu dieser Handlung kaum in der Lage gewesen sein kann.

Die sich für Cilly haltende Frau erinnert sich immer wieder an eine Fahrt zu einem Steinbruch und die Worte „Mach sie tot!“. Als sie der Ärztin gegenüber ihren Verdacht äußert, dass es sich bei dem Unfall um einen Mordversuch gehandelt haben muss, verweist die zunächst auf Erinnerungstrübungen. Weiterlesen »

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