Jeder stirbt für sich allein von Hans Fallada

Jeder stirbt für sich allein
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Berlin – Jablonskistraße – 1940: Das ist der Schauplatz in Hans Falladas Roman Jeder stirbt für sich allein. Der überwiegende Teil des deutschen Volkes lässt sich nur zu gerne täuschen und glaubt an den großen Sieg. Die Juden haben es immer schwerer. Es ist die Zeit, in der jeder etwas zu verbergen hat und sich schnell um Kopf und Kragen reden kann, wenn er nicht aufpasst. Einschüchterungen und Ängste sind an der Tagesordnung und die Luft ist wie bei einem drohenden Gewitter damit geladen. Für jeden spürbar. Niemand kann mehr jemandem trauen, die Kinder verraten ihre Eltern und die Gestapo ist überall.

So haben auch die Bewohner eines Mietshauses in der Jablonskistraße in Berlin mit ihrem Schicksal zu kämpfen. Da gibt es die Brüder Persicke, die sich je nach Situation schnell neu orientieren können und dank bester Beziehungen zur Partei immer mit einem blauen Auge davon kommen. Der Hausrat der alten Jüdin Rosenthal wandert als Diebesgut von einem zum anderen. Obwohl der Kammergerichtsrat Fromm ihr Unterschlupf gewährt, zieht es sie doch wieder in ihre Wohnung und damit ins Verderben. Emil Barkhausen treibt ein doppeltes Spiel und lässt sich gerne für seine Bespitzelungen bezahlen, was jedoch einen anderen Ausgang nimmt, als er gedacht hat. Enno Kluge, dessen fleißige Frau Eva als Postbotin auch gut allein zurechtkommt, will nun ganz schlau sein.

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Gegen die Welt von Jan Brandt

Gegen die Welt
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Daniel Kuper scheint ein normaler Junge zu sein, der in einem beschaulichen Dorf namens Jericho aufwächst, dort die Schule besucht, Freundschaften knüpft und wieder löst, sowie ein gewisses Interesse an Mädchen besitzt. Diese Eigenschaften, gepaart mit viel Schabernack und Fantasie im Kopf, macht ihn zu einem gewöhnlichen Teenager. Jedoch ereignen sich im Verlauf der Geschichte merkwürdige Ereignisse: unter anderem das Auftauchen eines Kornkreises, der Selbstmord eines Mitschülers und ganze Häuserreihen beschmiert mit Hakenkreuzen. Als Übeltäter dieser merkwürdigen Geschehnisse wird Daniel ausgemacht, der nun in einen Kampf zwischen sich und seiner Umwelt verwickelt ist.

Dies ist in groben Zügen der Inhalt von Brandts Debütroman Gegen die Welt, und weist schon beim ersten Hören auf eine spannende und fesselnde Geschichte hin. Brandts Sprache wirkt von Anfang an sehr einfach, und ermöglicht es dem Leser schnell sich zurecht zu finden. Mit Hilfe der Sprache gelingt es Brandt, den Leser schon auf den ersten Seiten an sich zu binden. Die hinzugefügten Spielereien und Doppeldeutigkeiten geben der Geschichte eine Tiefe, die den Leser unweigerlich realisieren lässt, wie sich die Welt Daniels verändert.

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Robinson und Julia von Isolde Schaad

Robinson und Julia
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Isolde Schaad macht es dem Leser mit Robinson und Julia wahrlich nicht leicht. Es ist schwer, den „roten Faden“ zu finden, denn scheinbar gibt es keine Zusammenhänge zwischen den kurz gehaltenen Kapiteln. Diese wechseln zwischen den zwei Frauengestalten Eva und Julia. Eva begegnet uns einmal als Eva mit Adam, mit dem sie schon auf gemeinsam verbrachte Jahrtausende als unverheiratetes Paar zurückblicken kann. So kennt sie weder ihr Alter, noch das ihrer Mitmenschen. Der Paradiesapfel und das Feigenblatt verweisen immer wieder auf die Schöpfungsgeschichte. Obwohl Eva mit Adam zusammenlebt, trifft sie aber auch mit Jean-Paul Sartre in Paris zusammen, in dem sie einen Frauenbeglücker sieht. Ebenso begegnet sie Albrecht Dürer und Martin Luther in Wittenberg, was den Leser etwas verwirrt. Zu Eva und Adam ziehen zwei weitere Frauen, Sheila, der die Vertreibung der Palästinenser am Herzen liegt und Claps, mit der Adam ein Verhältnis beginnt. Eva leidet darunter, wenn Adam die Nächte mit Claps verbringt. Doch im weiteren Verlauf fühlt sie sich selbst von der Konkurrentin sexuell angezogen.

Julia, die in einem Forschungslabor tätig ist, spürt nach der Hochzeit mit dem Sozialfachmann Doktor Robinson schnell die Ernüchterung, die sich im Ehebett vollzieht und möchte ihren Mann mit Simone de Beauvoir bekehren.

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Der Untertan von Heinrich Mann

Der Untertan
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Eine fiktive deutsche Kleinstadt namens Netzig, Ende des 19. Jahrhunderts: Diederich Heßling wächst in der strengen Erziehung der wilhelminischen Epoche auf. Der Vater ist ein patriarchalischer Kleinunternehmer, der zu heftigen Strafen greift, in der Schule wird militärischer Gehorsam gefordert und die Individualität gebrochen. Diese extremen Erziehungsmethoden machen aus Diederich ein Paradebeispiel des autoritären Charakters – gegenüber Vorgesetzten und Höherstehenden zeigt er sich unterwürfig, gegenüber Schwächeren spielt er gnadenlos seine Macht und Dominanz aus. Diederich beginnt ein Chemiestudium in Berlin, wo er sich einer Studentenverbindung anschließt, die sein neues Denken zusätzlich fördert. Zurück in seiner Heimatstadt, übernimmt er die Fabrik des verstorbenen Vaters und schaltet durch Intrigen seine Konkurrenten aus. In fanatischer Verehrung des Kaisers Wilhelm II. steigt er zur wichtigsten Person der Stadt auf.

Heinrich Manns Der Untertan präsentiert sich als eine scharfe, bitterböse Satire über die wilhelminische Epoche und die deutschnationale Politik, die letztlich im Ersten Weltkrieg mündete. Der Untertan wird nicht als solcher geboren, sondern durch unmenschlichen Drill seiner Umwelt zu einer solchen Gestalt geformt.

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Entschuldigen Sie meine Störung von Jan-Uwe Fitz

Entschuldigen Sie meine Störung
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Jan-Uwe Fitz fühlt sich selbst in dem Wahnsinnsroman Entschuldigen Sie meine Störung verfolgt. Einer Gruppe von Bauarbeitern mit Presslufthammer und Betonmischer kann er nicht entkommen. Er hat panische Angst vor Menschen und kann sich nicht länger als zehn Minuten auf einer Party aufhalten, bis er sich davon stiehlt. Auf jede Berührung muss er vorbereitet sein und verliebt sich andererseits sofort in jeden, der ihn berührt. In Selbstgesprächen offenbart er, was bei ihm alles peinlich wirkt, bei einem George Clooney aber voll cool wäre. Man erfährt von ihm Tipps, wie soziale Phobiker ihre Störungen in den Griff bekommen können. Die Kaffeekränzchen bei seinen Nachbarn sind ihm zuwider und seine Eltern hat er seit 20 Jahren nicht mehr gesehen. Die Menschen möchte er umerziehen, damit er sie überhaupt ertragen kann und auf der Suche nach einem Psychiater landet er bei einem Metzger.

Im Wald hat er weniger Angst, denn die Bäume waren immer anständig und höflich zu ihm. Um seine Ängste beherrschen zu können, möchte er in einer Privatklinik aufgenommen werden. Da ihm das Geld jedoch fehlt, lässt er seine Patientenkarte von einem Computer-Fachmann manipulieren.

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Vorstadthimmel von Gabriele Kögl

Vorstadthimmel
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In ihrem Roman Vorstadthimmel erzählt Gabriele Kögl die Geschichte eines Emporkömmlings und einer zeitgeistigen Journalistin, indem sie geschickt die verschiedenen Perspektiven der beiden Protagonisten beleuchtet, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Heinrich fährt mit seinem Lamborghini Diablo, den er liebevoll Panther nennt, von seiner Villa im Wiener Nobelviertel „Am Himmel“ zu seiner Zahnarztpraxis für die bessere Klientel. Inzwischen auf der Überholspur des Lebens, doch das war nicht immer so, stammt er doch aus ärmlichen Verhältnissen. Bei der Mutter aufgewachsen, ohne einen Vater, in einem schäbigen Mietshaus in der Vorstadt. Mit vierzehn begann er eine Lehre als Handelskaufmann und sein Studium verdiente er sich als Dressman. Bewusst hatte er eine Frau aus gutem Haus geheiratet. Doch sein Schwiegervater ist nicht glücklich über seine Herkunft. Heinrich war überzeugt, dass er niemanden so sehr liebe wie seine Frau, auch wenn er mit anderen Frauen ins Bett ging. Doch nachdem seine Tochter Agnes auf die Welt gekommen war, wusste er, dass er sie mehr liebt und alles tun würde, um ihr eine Kindheit zu ermöglichen, wie er sie selbst nicht hatte.

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Aufbruch von Ulla Hahn

Aufbruch
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Es ist die Amtszeit von John F. Kennedy und vier „Pilzköpfe“ bringen die Mädchen um den Verstand. Das Buch Aufbruch von Ulla Hahn versetzt uns mit Hildegard Palm, kurz Hilla genannt, in diese Zeit. Hilla wohnt mit ihrer Familie in Dondorf, einem kleinen Örtchen am Rhein und besucht das Aufbaugymnasium. Was für eine aus einer Proletenfamilie schon ungewöhnlich ist. Fast täglich trifft sie sich mit dem aus besserem Hause stammenden Godehard, der ihr Geschenke macht. Darunter sogar einen Ring, mit dem er ernste Absichten bekundet. Dabei denkt Hilla noch gar nicht an eine feste Bindung, sondern hat nur ihr Ziel Abitur und Studium vor Augen. So „kniefällig“ wie ihre Mutter will sie nicht werden. Als sie jedoch erfährt, dass sie nur als Ersatz für eine Andere herhalten muss, ist sie froh, sich ihr „Kapital“, wie die Mutter immer gemahnt hat, bewahrt zu haben. Und ihr Zuhause ein Loch genannt zu haben, nein, das hätte Godehard nicht sagen dürfen.

Hilla nimmt einen Ferienjob auf dem Friedhof an, arbeitet dort doch Peter, in den sie verliebt ist. Von der täglichen Arbeit im Freien braun gebrannt, spart sie sich ihr Geld und gibt bei ihren Freundinnen mit einer erdachten und erträumten Reise an. Doch ihre Hoffnungen auf eine Verbindung mit Peter platzen schnell.

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Yalo von Elias Khoury

Yalo
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In Elias Khourys Roman Yalo wird die Titelfigur im Gefängnis von Beirut einem Verhör unterzogen. Der Ermittler erwartet von ihm, dass er sich seiner Vergehen für schuldig bekennt. Schîrîn Raad hätte ihn wegen Vergewaltigung angezeigt. Aber das sind doch alles gemeine Unterstellungen! Sie hat doch nach seinen Umarmungen geschmachtet! Er hat sie doch geliebt, sich in ihre Zartheit verliebt. Die Liebe zu ihr schnitt ihm die Luft ab, er wollte sie heiraten! Und die Sterne konnte er nur bei ihr sehen! Warum glaubt man ihm nicht und quält ihn dafür? Er wird geschlagen, getreten, aufs Übelste gefoltert. Dann soll er alles aufschreiben, seine ganze Lebensgeschichte und bloß bei der Wahrheit bleiben!

Also schreibt er: Mit 11 Jahren wurde ein Mädchen neben ihm von einer Bombe zerfetzt, was ihm einen Schock versetzte. Mit 14 hat er schon in der Kaserne gelernt, nicht zu sprechen, weil der Krieg seine Worte hinter Worten verbirgt. Dann hat er mit Toni einen Tresor geknackt und wollte in Frankreich ein neues Leben beginnen. Doch Toni hat ihn hintergangen, so dass Yalo mittellos in einem fremden Land zurückblieb. Von Alexi hat er die Lust zum Morden gelernt und seine Feigheit abgelegt.

Als Bettler wurde er von dem Rechtsanwalt Michel Sallûm aufgegriffen, der ihn mit zurück in den Libanon nahm. Dort begann Yalo eine Affäre mit dessen Ehefrau Madame Randa, mit der er seinen Körper neu entdeckte.

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Nur Mut, kleiner Liebling von Christian Futscher

Nur Mut, kleiner Liebling
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In seinem Roman Nur Mut, kleiner Liebling lässt der Autor Christian Futscher seinen Protagonisten, den 49-jährigen Christian, seinen Gedanken nachhängen. Der Wiener hält sich wiederholt in Venedig auf, immer in der gleichen Wohnung, um an einem neuen Buch zu schreiben. Wenn er nicht daran schreibt oder in einem der vielen Bücher liest, führt er ein Tagebuch und schreibt seine Erinnerungen darin nieder.

Dies können beispielsweise eine zurückliegende Zugfahrt und das sich entwickelnde Gespräch mit einem Kind sein oder auch, wie er in Rom durch das jüdische Ghetto ging. Er träumt davon, kein Geld verdienen zu müssen und hat Mitleid mit Nichtlesern, obwohl er sie deshalb auch nicht missionieren will. Er spricht den Einwirkungen der Erzieher mit dem christlichen „Körper-ist-pfui-Huscher“ eine Langzeitwirkung nicht ab. Und an anderer Stelle fragt er sich, wie es eine Mutter aushalten kann, wenn sie von der Folter ihres Sohnes hört, der lieber in Würde sterben möchte, als ständig erniedrigt zu werden.

Christian prangert in seinen Tagebuchaufzeichnungen den gefluteten Stausee am Reschenpass als Wahnsinn an, als er sich in diesem Zusammenhang an Marlies erinnert, in die er früher verliebt war und die an Drogen gestorben ist. Er spricht von einer öden Kultur, die durch TV-Konsum schon ganz verdattert ist und versteht nicht, wie man ein Leben ohne Literatur aushält.

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Seelenkuss von Sharon Ashwood

Seelenkuss
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Seelenkuss ist der 3. Band der Urban Fantasy Reihe von Sharen Ashwood. Wie in unzähligen anderen, der immer noch sehr im Trend liegenden Reihen über menschliche Vampire, erwartet man eine typische Neuauflage der alten Geschichten der bekannten Personen. Bei Sharon Ashwood wird man aber positiv überrascht. Waren im ersten Teil Holly Carver und Ihr Vampir Alessandro Cavelli die Hauptpersonen, so war es im zweiten Band Vampirdämmerung der ehemalige Cop Mac, der sich als zentrale Figur herausstellte. In Seelenkuss hat Ashwood nun erneut einen Wechsel der handelnden Personen vollzogen. Hollys Schwester Ashe Carver, die bereits in Vampirdämmerung einen ersten Auftritt hatte, übernimmt nun die Hauptrolle.

Schlau hat Ashwood alltägliche Probleme in die Handlung mit aufgenommen, denn Ashe ist nicht nur eine erstklassige Monsterjägerin. In erster Linie ist sie Mutter und kämpft in einem Scheidungsverfahren um das Sorgerecht für ihre zehnjährige Tochter Eden. Wie im richtigen Leben haben auch hier die Eheringe kein Glück gebracht. Leider nehmen die Monsterwesen darauf keine Rücksicht und greifen sie ständig an, auch wenn Ashe eigentlich nichts mehr mit ihnen zu tun haben möchte. Hier gelingt der Autorin ein intelligenter Spagat zwischen zwei völlig verschiedenen Themen, der die Spannung noch zusätzlich erhöht.

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