Die auf ihre Besucher so harmlos wirkende „Villa Baviera“, die heute ein Hotel im bayrischen Stil beherbergt, birgt ein zutiefst trauriges und erschütterndes Geheimnis der chilenischen, wie auch der deutschen Vergangenheit. Seit der Gründung der totalitären Siedlung Colonia Dignidad im Jahr 1961 durch den ehemaligen Jugendpfleger Paul Schäfer wurden in der südlich von Santiago de Chile gelegenen Region Parral über Jahrzehnte um die dreihundert Menschen ihrer persönlichen Habe beraubt, bespitzelt und unter strengsten Sicherheitsverwahrungen regelrecht gefangen gehalten sowie mit Elektroschocks und Psychopharmaka gefügig gemacht. Zur Auswanderung nach Chile hat er sie bewegt, indem er ihnen mit dem angeblichen Einmarsch der Russen Angst eingejagt hat. Kinder, die er für seine sexuellen Perversionen missbrauchte, hat er unter Vortäuschung falscher Tatsachen nach Chile entführt. Wer die Flucht wagte, wurde vom Militär aufgegriffen, das im Gegenzug eine Unterstützung durch die einer Sekte ähnelnden Siedlung erfuhr, was Diktator Pinochet an die Macht verhalf, der wiederum seine Gegner auf dem weitläufigen Areal foltern ließ. Selbst Angehörige der deutschen Botschaft waren korrupt, boten den Flüchtenden keine Hilfe und lieferten sie ihren Peinigern aus. Aber auch die UNO und Amnesty International, die seit 1976 von den Vorwürfen wussten, unternahmen nichts. Außenminister Steinmeier, der erst kürzlich die Akten unter Umgehung der regulären Schutzfrist freigab, räumte in einer Erklärung immerhin ein, dass „bestenfalls weggeschaut“ wurde. Anja Jonuleit wagt in ihrem Roman Rabenfrauen eine Aufarbeitung der damaligen Ereignisse. Weiterlesen »

Arden lebt in Chicago und arbeitet in einer Webnachrichtenredaktion. Ihren Traum von einem eigenen Buch hat sie schon lange aufgegeben, und da sie von ihrem geschiedenen Mann keinerlei Hilfe zu erwarten hat, fällt es ihr schwer, die Studiengebühren für ihre Tochter Lauren aufzubringen. Noch ahnt sie nicht, dass die sich nur ihrer Mutter zuliebe durch ein BWL-Studium quält, denn ihre Leidenschaft gilt der Malerei. Als beide von Ardens Mutter Lolly einen Brief mit einer Einladung samt einem Armbandanhänger erhalten, haben sie ein schlechtes Gewissen und wollen Lolly zum Memorial-Day-Wochenende in ihrer Blockhütte am Lost Land Lake in Michigan mit einem Besuch überraschen.

Die extrovertierte Lolly hilft trotz einer beeinträchtigten Denkleistung immer noch in einem Süßwarenladen aus. Nach Auskunft einer Ärztin wird sie in Zukunft nicht ohne familiäre Unterstützung zurecht kommen, auch wenn sich Pfleger Jake um sie kümmert. Während ihres Aufenthalts in Michigan stellen Arden und Lauren fest, dass sie nur wenig voneinander wissen. Aber noch weniger kennen sie die Bedeutungen der vielen Anhänger an Lollys Bettelarmband. So erfahren sie von ihr nach und nach die Familiengeschichte, die mit der erst siebzehnjährigen Mary und einer Fahrkarte von Irland nach Amerika im Jahr 1901 beginnt. Weiterlesen »

Erst vor fünf Jahren hat die mittlerweile vierunddreißigjährige Martina Bäck von ihrer Tante Uschi und deren Mann Karl erfahren, dass ihr Vater noch lebt. Von Uschi und Karl, bei denen sie aufgewachsen ist, hat sie immer nur gehört, dass er vor ihrer Geburt verschwunden wäre und ihre Mutter, an die sie keine Erinnerung hat, bei einem Autounfall ums Leben kam. Martina erfährt weiter, dass ihr an Schizophrenie erkrankter Vater inzwischen durch Lungenentzündungen und einen Schlaganfall geschwächt ist, womit ihr nicht mehr viel Zeit zum Kennenlernen verbliebe.

In einem ihr von der Tante ausgehändigten Tagebuch ihrer Mutter liest sie von den Veränderungen ihres Vaters und seiner Entmündigung. Aus Verzweiflung darüber und mit allen Sorgen allein gelassen, hat sie einen geplanten Suizid dem Tagebuch anvertraut. Ihren Zieheltern wirft Martina vor, Schuld am Tod der Mutter zu tragen, und sie wird von quälenden Gedanken heimgesucht, nicht früher von der Existenz ihres Vaters gewusst zu haben. Sie besucht ihren Vater zum ersten Mal mit gemischten Gefühlen in der Klinik und erfährt von seiner Ärztin, dass sich sein Zustand im Alter gebessert hätte. Die an einer Universität Unterrichtende begibt sich auf Spurensuche – Diagnose Schizophrenie und liest alles, was sie darüber finden kann. Den Großteil ihres Freundeskreises verliert Martina in der Folge und besucht fast täglich ihren Vater, der sich jedes Mal sehr darüber freut, und sie nimmt sogar Kontakt zu ihrer Verwandtschaft väterlicherseits auf. Weiterlesen »

Während eines Familienurlaubs auf Sardinien kommt es zwischen Ilka und ihrem Mann Dennis zu einem Streit, nachdem er sie wieder einmal mit einer anderen Frau betrogen hat. Hals über Kopf verlässt sie ihn daraufhin mit den beiden Kindern Thea und Felix. Doch wegen eines Motorschadens an ihrem Auto kommt sie nicht weit. Es bleibt ihr nichts anderes übrig, als ausgerechnet in einem Gay-Resort für eine Nacht unterzukommen. Obwohl Helmer, der Betreiber des Schwulen-Hotels, Ilka und die Kinder nur ungern aufnimmt, macht er ihr am Morgen das Angebot, auch für die nächsten drei Tage bis zum Heimflug zu bleiben. Auf die pubertierende Thea und ihren sechsjährigen Bruder Felix, der bevorzugt eine rosa Badehose trägt, warten aufregende Tage, und sie machen die Bekanntschaft mit Olga, einem Transvestiten sowie einem Schwulenchor.

Volker Surmann erzählt seinen Roman Mami, warum sind hier nur Männer? aus verschiedenen Perspektiven, indem er seine jeweiligen Handlungspersonen in der Ich-Form berichten lässt, was naive Fragen, besonders des kleinen Felix, einschließt. Wie nicht anders zu erwarten, bedient sich der Autor bei diesem Thema so ziemlich aller Klischees, doch vernachlässigt er dabei weder interessante Informationen über Sardinien, noch über das Leben der Männer, die Ilka in dem Resort kennenlernt. So hat nicht nur der Transvestit Olga eine Vergangenheit, die überrascht, sondern auch Helmer tut es gut, Ilka sein Herz auszuschütten. Weiterlesen »

Die Eltern der fünfzehnjährigen Bee sind Elgin Branch, der als Teamleiter bei Microsoft arbeitet, und Bernadette Fox, eine berühmte Architektin. Bee, die korrekt Balakrishna heißt, wünscht sich für ihre überdurchschnittlich guten Schulnoten eine Familienreise in die Antarktis. Ihre Mutter, die das Haus nur ungern verlässt, beauftragt Manjula Kapoor, eine virtuelle Freundin aus Indien, per Mail mit den Reisevorbereitungen für die Expedition. Ihrer Tochter zuliebe will sie mitfahren, doch fürchtet sie sich vor der Überquerung der gefahrvollen Drakestraße, die den Atlantik mit dem Pazifik verbindet.

Audrey Griffin, die Nachbarin der in einem baufälligen Backsteingebäude in Seattle wohnenden Familie, verlangt von Bernadette die Beseitigung von Brombeersträuchern, die in ihren Garten wuchern. Als Audrey, die in ihrem Garten einen Schul-Brunch ausrichten will, ihre Nachbarin in der Galer Street School darauf ansprechen will, fährt die einfach davon. Später behauptet Audrey, Bernadette sei ihr mit dem Auto über den Fuß gefahren.

Die Mutter eines Mitschülers von Bee wird die neue Admin eines Teams, dessen Leiter Elgin ist. Von ihr erfährt er auch, dass seine Frau bereits das Gesprächsthema in der Schule ist, weil sie unter anderem den Garten von Audrey in eine Schlammlawine verwüstet haben soll. Als er zu Hause eine größere Menge Tabletten findet, will er Bernadette noch vor der Familienreise vor Weihnachten in die Psychiatrie einweisen lassen. Doch plötzlich ist sie verschwunden. Weiterlesen »

Welche Stimmung wird sich wohl unter elf Menschen entwickeln, die sich nur zum Teil kennen und für einige Tage auf mehr oder weniger engem Raum miteinander auskommen müssen? Wenn ihnen der Jugo, der heiße Wüstenwind aus der Sahara, wie der Scirocco in Kroatien genannt wird, die Gedanken vernebelt und ihre Nerven bis aufs Äußerste strapaziert? Nataša Dragnić hat diese Fragen in ihrem Roman Der Wind war es verarbeitet und wohl nur ein Mensch, der diese Gegend seine Heimat nennt, kann den sich ankündigenden Wetterumschwung, „der in den Knochen, auf der Haut und in der Nase gespürt“ wird, so eindrucksvoll wie die Autorin schildern.

Aus München begibt sich eine Gruppe junger Leute auf den Weg zur Insel Brać in Kroatien, um für ein Laientheater zu proben. Julia, die dort mit Toma wohnt, hat ihrer Nichte Barbara für die Zeit das Gästehaus abgetreten. Sie empfängt Barbara mit ihrem Freund Stefan, der das Theaterstück geschrieben hat, den Regisseur Anton und die drei Studenten Michael, Lisa und Katrin herzlich. Die Zimmer sind noch nicht verteilt, da werden erste Unstimmigkeiten bezüglich der Arbeitsmoral laut. Katrin, die immerzu mit drei Brillen gleichzeitig herumläuft, ist auf Lisa eifersüchtig, die in dem Stück die Geliebte von Michael sein darf. Julia sieht ihre Ruhe in der Abgeschiedenheit der Bucht gefährdet, und Toma, zu dem sie ohnehin eine schwierige Beziehung unterhält, kämpft gegen seine Erinnerungen an den Krieg. Weiterlesen »

Mit sechsunddreißig Jahren fühlt sich Emily einsam und verlassen, denn der Mann ihres Lebens ist ihr nirgendwo begegnet. Ein Medizin-Studium hat sie bereits abgebrochen und nach sechsjähriger Arbeit bei einer Versicherung hat sie die Kündigung erhalten. Was hat sie noch vom Leben zu erwarten? In ihrer Verzweiflung schluckt sie zu viele Tabletten, wird gerettet und landet schließlich in der geschlossenen Abteilung der psychiatrischen Klinik Burghölzli in Zürich, wo sie sich gerne mit dem Hochschulabsolventen Rolf und ihrer Zimmernachbarin Ariane austauscht.

Mit der Maßgabe, ein Praktikum in einem Bestattungsinstitut zu machen, kann sie ihren behandelnden Arzt Dr. Schindler überzeugen und wird entlassen. Sie bekommt ein Zimmer in einem Studentenwohnheim in Basel, wo sie Serena, Haitao und Jared als Freunde gewinnt. Im ländlichen Aargau lernt sie viel von dem verständnisvollen Bestatter Noah. Er lehrt sie, die Toten anzukleiden, nimmt sie mit zum Krematorium und auch zu einem Gleissuizid, zu dem sie ein Staatsanwalt beordert hat. Bei den Toten fühlt sich Emily so lebendig wie seit langem nicht. Sie hält weiterhin Kontakt zu Rolf und Ariane, die ihr bei einem Treffen sagt: „Es muss etwas passieren“, was Emily jedoch nicht versteht. Als sie mit Noah in der Pathologie einen Vergifteten abholen soll, stockt ihr beim Anblick der Atem, da sie den Toten kennt. Weiterlesen »

Therese ist die Bürgermeisterin von Maierhofen, einem idyllisch gelegenen Örtchen im Allgäu, sowie stolze Besitzerin des Gasthauses „Goldene Rose“, in dem die Dorfbewohner nicht zuletzt wegen des Kochkünstlers Sam ihre Festlichkeiten abhalten. Doch Maierhofen hat nicht einmal mehr einen Spar-Markt, es gibt kaum Arbeitsplätze und die Jungen hat es in die Städte gezogen. Zu den Sorgen um den aussterbenden Ort kommen bei Therese noch die um ihre Gesundheit, nachdem sie an Gebärmutterhalskrebs erkrankt ist. Durch Zufall erkennt sie in einem Fernsehbericht ihre Cousine Greta, mit der sie als Kind gespielt hat und die in einer Werbeagentur erfolgreich ist.

Unter dem Vorwand, EU-Gelder für eine Imagekampagne zu erhalten, holt Therese Greta nach Maierhofen. Sie soll das Dorf attraktiver machen. Mit ihrem Job, in dem sie ein abscheulich schmeckendes Diätpulver vermarkten soll, ist sie gerade sowieso unzufrieden. Bei der von ihr einberufenen Dorfversammlung stehen die Dörfler ihren Vorstellungen bezüglich der Aktion Kräuter der Provinz skeptisch gegenüber. Als Therese ins Krankenhaus kommt, wird Greta auch noch von ihrem Chef unter Druck gesetzt. Von den Bewohnern verlangt sie vollen Einsatz, obwohl jeden eigene Sorgen plagen. Weiterlesen »

Fanø ist eine dänische Insel im Wattenmeer, nördlich von Sylt gelegen. Auf diese Insel wird Klara ganz überraschend von ihrer Mutter Elisabeth eingeladen, weil deren Mann beruflich verhindert ist und sie nicht begleiten kann. Klara fällt die Entscheidung nicht leicht, denn zum einen hat sie noch eine Menge Arbeit für ihren Verlag zu erledigen, und eine Woche zusammen mit ihrer durchorganisierten und hektischen Mutter würde nicht gerade eine Erholung werden. Schließlich willigt sie im Hinblick auf die abgekühlte Liebe und angespannte Beziehung zu ihrem Mann Johann doch ein.

Nach einer heftigen Auseinandersetzung der beiden Frauen kommt es auf regennasser Fahrbahn zu einem Unfall. Zum Glück eilt ihnen sofort Mads Olsen zu Hilfe und fährt sie zum nächsten Krankenhaus. Vom behandelnden Arzt erfährt Klara, dass ihre Mutter infolge des Schocks ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten hat. Untersuchungen an der an einer vorübergehenden Amnesie Leidenden ergeben aber auch einen weiteren beunruhigenden Befund. Klara benachrichtigt sowohl ihren Vater, als auch ihren Bruder Ben. Doch zu ihrem Erstaunen sind die völlig überrascht, als sie erfahren, dass sich Mutter und Tochter auf Fanø befinden. Hat ihre Mutter nicht gesagt, wohin sie fährt? Für Klara ergibt das alles keinen Sinn. Weiterlesen »

Seit einem halben Jahr wohnt Julie mit Casper zusammen. Doch bevor er den Schritt in die Ehe wagt, will er sich ganz sicher sein und verlässt Julie für eine Weile, indem er sich einfach auf und davon macht. Umso enttäuschender ist es für sie, dass er sich sogar für ein halbes Jahr beurlauben ließ und seine Reise nach Indien lange geplant hat. Julie lässt sich von ihrer besten Freundin Nina trösten und redet sich gebetsmühlenartig ein, dass Casper sicher bald wieder zu ihr zurückkommt. Schließlich hat er ihr einen Heiratsantrag gemacht und will mit ihr Kinder haben.

Da Julie die Miete für die teure Wohnung nicht allein aufbringen kann, sucht sie einen Untermieter. Ihre Entscheidung fällt auf Sune, der seinen Job bei einer Tankstelle gekündigt hat, um in Ruhe einen Roman schreiben zu können. Ihm kommt das Angebot sehr gelegen, zumal Julie während seiner Schaffenszeit am Tag in einem Reisebüro arbeitet. Sie stellen einen Plan auf, zu welchen Zeiten ein jeder welche Räume nutzen darf. Trotz idealer Voraussetzungen fällt Sune zu seinem Roman nichts ein, denn anstatt sich darauf zu konzentrieren, ist er mit seinen Gedanken ganz woanders. Als er eine Frau mit auf sein Zimmer nimmt, ist es ihm peinlich, während Julie, die Paarungsbereit ist, sich dadurch nur um so verlassener fühlt. Weiterlesen »

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