Seit Beginn unserer Zeitrechnung werden Juden verfolgt und auch, wenn der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern bis heute andauert, war die Verfolgung im Dritten Reich wohl das schlimmste an ihnen begangene Verbrechen. In dem Roman Die radioaktive Marmelade meiner Großmutter von Ramona Ambs haben Romys Großeltern und Onkel Max den Holocaust überlebt. Ihre Enkelin Romy hört sie immerzu von den schlimmen Zuständen und dem ewig währenden Hunger in den Lagern reden, doch Genaues will man dem Kind nicht sagen. Romy, die ihre durch Heroin verstorbene Mutter nie kennengelernt hat, verdankt ihre Existenz nur dem Überleben ihrer Großeltern, was für das Kind eine viel zu große Last ist.

Romy schafft es auf das Gymnasium. Mit zwölf Jahren besucht sie erste Partys, wo ihr Henryk zeigt, wie sie sich Heroin spritzen kann. Als sie für ihn „anschaffen“ soll, verliebt sie sich in Grove. Doch auch dieses Glück währt nicht lange. Ihre Heroinsucht kann Romy mittlerweile nicht mehr kontrollieren und ihr bleibt nur der Weg auf den Straßenstrich, wo ihr die Freier für ungeschützten Verkehr „ohne Gummi“ mehr zahlen. Mit fast fünfzehn reißt sie mit Mehmet nach Istanbul aus, doch hat sie nach vier Monaten Sehnsucht nach ihrer Familie. Weiterlesen »

Der Roman Immer wieder das Meer von Nataša Dragnić zeichnet die Lebenswege von drei Schwestern aus Piombiono in der Toscana nach. Die 18-jährige Roberta Alessi ist im Jahr 1984 mit Marcello verlobt, verliebt sich jedoch in Florenz in den aus Lucca stammenden Dichter Alessandro Lang. Die beiden führen eine Fernbeziehung und Alessandro meldet sich selten. Als er Roberta nach sechs Jahren immer noch nicht heiraten will, schneidet sie sich aus Enttäuschung selbst die langen Haare und beendet das Verlöbnis. Ihre um eineinhalb Jahre jüngere Schwester Lucia hat zwar mit ihren 22 Jahren Fabio als Freund, ist aber trotzdem sexuellen Abenteuern nicht abgeneigt. Immer, wenn Alessandro in Florenz ist, treffen sie sich, allerdings vorerst rein freundschaftlich, wobei sie ihm ihren wahren Namen verschweigt.

Im Jahr 1995 lebt und arbeitet Nannina, mit 19 Jahren die jüngste der drei Schwestern, in München und lernt Georg kennen, der allerdings verheiratet ist. Roberta hat nach ihrem Medizinstudium eine Stelle in den Vereinigten Staaten angenommen, da sie ein Verhältnis zwischen Alessandro und Lucia vermutet. Drei Jahre später findet sie in dem Psychologen Bradley einen festen Freund. Lucia trifft als Leiterin einer Investmentabteilung ihren früheren Freund Fabio wieder, der inzwischen verheiratet ist. Weiterlesen »

Der Journalist Nikolaus Peternella soll im Auftrag seines Verlages den Schriftsteller Wolfgang Maria Peter interviewen. Er verabschiedet sich von seiner Lebensgefährtin und seiner Nemesis, dem Hautarzt Dr. Eigenstuhler, und reist mit dem Zug nach Bad S. Von der Idylle der Berge und Seen ist er angetan und hat im Haus Seeblick ein Zimmer.

Peternella besucht den Schriftsteller auf Mariaplan, doch das Interview verläuft nicht wie erwartet. Im Frühstücksraum der Pension trifft Peternella auf seinen alten Studienkollegen, der ebenfalls eine Reportage schreiben soll. Zufällig wohnt sein Interviewpartner Alois Prrhrrwcz, ein berühmter Bildhauer und Nazikommunist, auch auf Mariaplan. Bei einem weiteren Treffen mit dem Schriftsteller Peter erfährt Peternella, dass dieser seinen Nachbarn nicht ausstehen kann und Peter überredet Peternella, auf die Blumenbeete des verfeindeten Nachbarn Prrhrrwcz Kuhmist zu verteilen.

Im Verlaufe eines Besäufnisses in der Pension sieht Peternella nicht mehr klar. Dass neben Schweinen an der Feier auch Kinder auf den Grill gespießt und gegessen werden, könnte an seiner gestörten Wahrnehmung liegen. In Ermangelung eines eigenen Fahrzeugs muss er sich jedes Mal von der Pension nach Mariaplan bringen lassen und gelegentlich begleiten ihn dabei noch weitere Fahrgäste im Auto, das der Zivildiener Isidor steuert. Weiterlesen »

Die ehemalige Turniertänzerin Alice Maag hat vor zwei Jahren ihre Tanzschule Ballero aus Altersgründen aufgegeben. Sie tauscht häufig Mails mit ihrem früheren Tanzpartner Martin, den sie über fünfzig Jahre kennt, der schwul ist und heute mit seinem Freund Pong in Thailand einen kleinen Laden betreibt. Alice hört im Radio regelmäßig das Wunschkonzert, denn sie möchte gerne Nochmal tanzen. Unerwartet meldet sich Alexander Seibt ein Hörer, der ihren Musikgeschmack teilt. Nachdem Alice über den Radiosender zu ihm einen Kontakt herstellen konnte, setzt sie sich in einen Zug um ihn zu treffen.

Während der Fahrt trifft Alice auf die Gymnasiastin Fleur, deren Eltern sich getrennt haben und die alleine bei ihrer Mutter lebt. Fleur machen die Probleme in der Schule zu schaffen und sie möchte unbedingt die Aufnahmeprüfung an der Kunsthochschule bestehen. Alice erzählt Fleur von ihrem Date, was diese angesichts des Alters von Alice sehr verwundert. Das Mädchen erinnert Alice an ihre ehemaligen Tanzschüler und als sie von ihrem Hobby, der Fotografie, erfährt, bittet sie Fleur um den Gefallen, sie zu fotografieren. Trotz des Altersunterschiedes kommen sich die beiden Frauen näher. Fleur hilft Alice beim Ordnen ihrer Dokumente auf dem Computer und kann sie überreden, bei einer Theatergruppe am Gymnasium mitzuwirken. Weiterlesen »

Am 4. Oktober 2017 stürzen die Kurse an den Börsen in bis dahin nicht gekannte Tiefen. Eine Panik bei den Anlegern ist nicht mehr abzuwenden, woraufhin die Aktienmärkte geschlossen werden und der Handel eingestellt wird. Nach weltweiten Konjunkturprogrammen der Regierungen scheint die Wirtschaftskrise zunächst überwunden zu sein, bis im Dezember die größte wirtschaftliche Depression der Menschheitsgeschichte eintritt. Die Währungen verlieren ihre gesamte Kaufkraft und eine Welle von Staatsbankrotten, gefolgt von Firmenpleiten, setzt ein. Der moderne Kapitalismus entwickelt sich zurück zur Tauschwirtschaft, in der nur noch reale Güter und Edelmetalle wie Gold, Silber oder Platin akzeptiert werden. Durch die Nahrungsmittelknappheit kommt es zu Revolten und die Staaten sehen sich veranlasst, das Kriegsrecht auszurufen. Die Paramilitärische Eingreiftruppe „Eurogendfor“ schießt in den Notstandsgebieten in die Menge der revoltierenden Hungernden, und die Regierungen schlagen alle Aufstände nieder. Aber auch die Wetterabläufe verändern sich: Überall brechen Unwetter aus und es kommt häufig zu Erdbeben oder Vulkanausbrüchen. Einem extrem heißer Sommer folgt ein kalter Winter und in Süddeutschland und Teilen von Österreich geht ein Asteroidenschauer nieder. Weiterlesen »

Bei der Geburt von Egon im April 1933 stirbt seine Mutter Anna und der kleine Junge wird von einer Pflegemutter zur nächsten gereicht. Das ändert sich erst, als sich sein Vater mit Annemarie vermählt, die sich liebevoll um Egon kümmert. Seine Leidenschaft gilt dem Fußballspiel sowie dem Verein Hertha BSC Berlin und er träumt davon, einmal in letzter Minute ein entscheidendes Tor zu schießen. Egon mag anfangs den neu hinzugezogenen Jungen Karl-Heinz, kurz Kalle, gar nicht. Doch dann muss er notgedrungen mit ihm in einer Mannschaft spielen. Langsam freunden sich die beiden an, kleben Sammelbilder der Fußballstars in Alben ein, sehen den Mädchen scheu hinterher und schießen mit Mit Erbsen auf Soldaten. Eines Tages erreicht Egons Vater der Gestellungsbefehl.

Der Krieg beschert ewigen Hunger und beim Blick in den leeren Kühlschrank träumt Egon von Sonntagsbraten und Eierkuchen mit Blaubeeren. In Trümmern sucht er nach Essbarem und teilt das Wenige noch mit seinem Kumpel Heinrich und seiner Familie, denen es noch schlechter geht. Egon sorgt sich um seinen Vater und wartet ungeduldig auf Nachricht von ihm. Die Reihen in den Klassen lichten sich und auch die älteren Jungen, mit denen er Fußball spielte, sind bereits zum Kriegsdienst eingezogen worden. Weiterlesen »

Mit dem dritten Teil, dem autobiografischen Roman Ost – Nord – West, schließt Barbara Endres ihren Lebensbericht ab. In der Verkörperung von Eva zieht sie mit ihrem Mann Michael von Hellingen nach Köln zurück, wo sie auf Freunde stößt, die sie seit Jahrzehnte aus den Augen verloren hat. Die erwachsenen Töchter Sandra und Anni sind in Norddeutschland geblieben und besuchen mit ihren Familien gelegentlich die Eltern in Köln. So auch zum Karnevalsumzug, zu dem sie die vier Enkelkindern mitnehmen. Nach dem Tod ihres Bruders Rolf ist ihr Elternhaus in Klappendorf verkauft worden. Eva hängt häufig alten Erinnerungen nach, an die frühen Kindheitstage in Pollin, an die Flucht, oder wenn sie nur einen Blick aus der neuen Wohnung auf den Rhein wirft, wo ihr Vater ihr das Schwimmen beibrachte.

Der Leser erfährt, wie das erste Weihnachtsfest und der Jahreswechsel in der neuen „alten“ Heimat gefeiert wurden. Eva verbringt mit Michael den Hochzeitstag in Venedig, sie gehen zu Konzerten und den Kölner Lichtern (dem größten musiksynchronen Feuerwerk Deutschlands), sie beschreibt ihren Tagesablauf im Alltag und stellt ihre Bilder aus, wobei sie auch einzelne Werke verkaufen kann. Weiterlesen »

Kaum ein Besucher der Stadt Münster kann sich dem Blick auf den Turm der Lambertikirche entziehen, wie er sich aus Richtung Prinzipalmarkt stellt. Hoch oben über der Kirchturmuhr sind immer noch die drei Eisenkörbe angebracht, die den drei Wiedertäufern Bernhard Krechting, Bernd Knipperdolling und Johann Bockelson, allen nur unter Jan van Leiden bekannt, seit ihrer barbarischen Hinrichtung am 22. Januar 1536 als letzte Ruhestätte dienten. Werner Rumphorst geht in seinem Roman nicht ohne Humor der Frage nach, ob man die Käfige nicht einer Wiederverwendung zuführen kann.

Die eigentliche Handlung ist schnell erzählt: Die angehende Lehramtsstudentin Ella erwartet ihr erstes Kind. Francesco, der werdende Vater, verdient als Informatiker wenig. So macht sich Ella gemeinsam mit ihrer liebenswerten Großmutter Annegret Gedanken darüber, wie sie ihr Studium nach der Geburt des Kindes fortsetzen kann, was wohl nur mit einer Tagesmutter zu bewerkstelligen ist. Die jungen Leute gehören zu einer Stammtischrunde, die sich wöchentlich trifft und über gesellschaftliche Themen diskutiert. Richard kommt als Wortführer zu dem Schluss, dass keine Partei die Interessen der jungen Menschen vertritt, die im Gegensatz zu den Älteren, die Besitz haben und behalten wollen, zu den Besitzlosen gehören. Weiterlesen »

Ergreift ein Unschuldiger die Flucht, wird ihm genau das zur Last gelegt. Denn wäre er unschuldig, so die Behauptung, hätte er keinen Grund zur Flucht gehabt. Ähnlich argumentieren wir, wenn uns jemand etwas verschweigt. Gerade Das Verschwiegene gibt Anlass zu Spekulationen, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und ein Urteil ist gesprochen. Um diese Thematik geht es auch in dem Roman von Linn Ullmann.

Siri lebt mit ihrem Mann Jon und den beiden Kindern Alma und Liv in Oslo. Beruflich ist sie als Betreiberin zweier Restaurants sehr eingespannt, während Jon an dem letzten Band einer Trilogie arbeitet. Da der Roman schon längst überfällig ist, kann er zum Lebensunterhalt nichts mehr beitragen und die Familie muss einen hohen Kredit aufnehmen.
Den Sommer verbringen sie in einer norwegischen Küstenstadt bei Siris Mutter Jenny Brodal, die mit Irma in einer Holzvilla lebt. Da Jon sich auf seine Arbeit konzentrieren muss, engagieren sie für den erst fünfjährigen Liv die neunzehnjährige Mille als Kindermädchen. Für den fünfundsiebzigsten Geburtstag ihrer Mutter Jenny plant Siri eine Feier mit Biertischen im Garten und Lampions an den Bäumen. Von Anfang an hatte sich Jenny erfolglos gegen eine Feier gewehrt. Weiterlesen »

Die nordfriesische Insel Föhr zählt über 8.500 Bewohner und wird gerne auch als die friesische Karibik bezeichnet. Sie ist Schauplatz einer Romanreihe, in deren Mittelpunkt Oma Imke steht. Mit ihren fast achtzig Jahren kann sie nicht mehr sprechen, weil sie einen Schlaganfall erlitten hat und ist außerdem an einen Rollstuhl gebunden. Allerdings keinen gewöhnlichen, denn die exzentrische Dame liebt es immer noch poppig und weiß selbst noch in ihrem Alter die jüngere Generation zu schocken.

Sorgen bereitet Imke in Omas Erdbeerparadies ihr Sohn Arne, der ein altes Ausflugslokal gepachtet hat, aus dem er eine Disco machen will. Imke hat in dem Erdbeerparadies seinen Vater kennengelernt und die älteren Inselbewohner verbinden mit dem Lokal Jugenderinnerungen. Doch auf Föhr gibt es auch das Island Palace, das von der attraktiven Susanne geführt wird. Mit angesagten Schaumpartys macht sie Arne Konkurrenz. Nach Umsatzeinbußen bekommt er von seiner Bank keinen weiteren Kredit und weiß weder, wie er den alten abbezahlen, noch woher das Geld für die nächste Miete kommen soll.

Da trifft unerwartet Arnes Nichte Jade auf Föhr ein. Sie ist gerade achtzehn geworden und will ihr erworbenes Wissen als Praktikantin einer Investmentbank gewinnbringend für das Erdbeerparadies einsetzen. Weiterlesen »