Was sie im Norden der Insel als Mond anbeten, kommt bei uns im Süden in die Sachertorte von Johannes Witek

Was sie im Norden der Insel als Mond anbeten, kommt bei uns im Süden in die SachertorteJohannes Witek gibt in Was sie im Norden der Insel als Mond anbeten, kommt bei uns im Süden in die Sachertorte eine sehr ungewöhnliche Lyrik und Prosa zum Besten. Gespickt mit kritischen und zynischen Untertönen sieht sich der Leser so mit neuen Wortschöpfungen konfrontiert und oftmals mit einer Aneinanderreihung von Versen und Zeilen, die zumindest auf den ersten Blick keinen Sinn ergeben und gar nicht zusammen passen wollen. Die gewählten Gedichtformen fügen sich nicht in das klassische Bild, das man sich von einem Gedicht macht. Mit den teils surreal anmutenden Inhalten der Texte muss sich der Leser schon auseinandersetzen und bisweilen muss er Passagen auch ein zweites Mal lesen, um hoffentlich dann verstanden zu haben, was uns diese Zeilen sagen wollen. Teilweise gelingt es aber selbst dann nur schwer oder gar nicht. In jedem Fall muss man ganz schön um die Ecke denken können und diesem Stil aufgeschlossen gegenüber treten.

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Wunderland von Sophie Albers

WunderlandIn dem Roman Wunderland von Sophie Albers will die Journalistin Hama einen Artikel über Personen mit Migrationshintergrund schreiben. Ihr Anliegen ist es, über die Welt zu schreiben, in der diese Menschen leben. Dazu trifft sie sich mit Tamer, dessen Vater Palästinenser und die Mutter Deutsche ist. Er war erst 9 Jahre, als der Vater verschwand und ist auch wie seine Mutter von ihm geschlagen worden. Als Hama mit ihm in einem Café sitzt, muss sie feststellen, dass ihnen offene Fremdenfeindlichkeit entgegenschlägt. Obwohl Tamer in Deutschland geboren ist, sieht man in ihm, allein wegen seines Äußeren, einen Ausländer.

Bei den wiederholten Treffen, zu denen teilweise auch seine Freunde kommen, erfährt sie von ihm, dass er früher Alkohol getrunken und gekifft hat. Es gab eine Zeit, da ist er jeden Tag in den Puff gegangen, doch heute schimpft er auf die Scheißschwuchteln, weil man einem Mann nicht in den Arsch ficken sollte. Wenn Hama auch vieles an seiner Einstellung, besonders zu Mädchen, missfällt, so ist sie von seiner Welt fasziniert.

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Der Japaner im Kofferraum von Frank Fischer

Der Japaner im KofferraumFrank Fischer informiert uns in Der Japaner im Kofferraum über alles rund ums Taxifahren. Aus der Sicht des Taxifahrers erfahren wir, welche Probleme es mit dem Wechselgeld geben kann, dass wieder der beste Zeitpunkt zum Tanken verpasst wurde, genau die gesuchte Seite im Straßenatlas fehlt und der Bahnübergang mit Sicherheit gesperrt ist, wenn man diesen Weg eingeschlagen hat. Der Autor listet die unterschiedlichen Typen von Fahrgästen und der eigenen Kollegen auf und beschreibt die Vorzüge von Stammfahrgästen und Geschäftsreisenden. Er berichtet von den ersten Sänften in Berlin und der Einführung des Taxameters, dass es festgesetzte Preise im „Pflichtfahrgebiet“, nicht aber auf Fernfahrten gibt und die Fahrer nach gültiger Rechtsprechung sogar eine Beförderungspflicht haben.

Hunde muss ein Taxifahrer nicht befördern, wohl aber einen Blindenhund. Wer weiß das schon? Oder dass der Taxifahrer von der Anschnallpflicht befreit ist und alleine der Gast bestimmen kann, ob ein Fenster geöffnet werden oder wie laut das Radio gestellt werden soll.

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Tagsüber dieses strahlende Blau von Stefan Mühldorfer

Tagsüber dieses strahlende BlauIn Tagsüber dieses strahlende Blau von Stefan Mühldorfer sind der Ich-Erzähler und die Hauptfigur identisch. Der 37-jährige Versicherungsmakler Robert Ames ist seit 11 Jahren mit Kala verheiratet. Er wacht morgens in seinem Haus in Kanada auf und denkt an seinen bevorstehenden Arbeitstag im Büro und an seinen Chef. Obwohl er nicht zum Mitwisser werden wollte, hat ihm sein Chef anvertraut, dass er seine Frau betrügt. Mit diesen Gedanken macht sich Robert auf den Weg zur Arbeit und denkt auch an die ersten Treffen mit seiner Frau Kala. Im Büro wird er von seiner Kollegin Glandis in ein Gespräch über ihre gescheiterte Beziehung verwickelt und er weiß auch im Hinblick auf seine eigene nicht, was richtig und was falsch ist. Zunächst tröstet er sich mit dem Gedanken, dass nichts ewig dauert, auch das Unglück nicht.

Als er einen Termin bei den Rutherfords wahrnehmen muss, lässt er sich noch zu einem kurzen Fußballmatch hinreißen. Dabei verletzt er ausgerechnet den Sohn der Rutherfords und bringt ihn gleich mit zu seinem geschäftlichen Treffen bei den Eltern. Zu seiner Verwirrung sieht er in Janet Rutherford eine Frau, die er aus High-School-Zeiten kennt.

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Allgäu Sixties von Peter M. Roese

Allgäu SixtiesPeter M. Roese schildert in Allgäu Sixties, was man als Rekrut im Fliegerhorst Kaufbeuren so alles erleben kann. Rossner hat sich als Freiwilliger gemeldet und erlebt mit den anderen Wehrpflichtigen in den 60er Jahren die verrücktesten Sachen. Es ist die Zeit des Mini-Rocks, der Pille und Twiggy, von TV-Serien wie „Bonanza“ und „Mit Schirm, Charme und Melone“, des legendären Beat-Clubs und der Apollo-Missionen, aber auch von Benno Ohnesorg, Alexander Dubcek und Rudi Dutschke, dem Mord an John F. Kennedy, des Vietnamkrieges und des legendären Woodstock-Festivals.

Rossner erlebt den Alltag in der Kaserne und nimmt an einem Manöver, auch Kriegsspiel genannt, teil. Mit anderen Vaterlandsverteidigern verbringt er die Freizeit im Freibad, wobei das Anbandeln mit dem schönen Geschlecht oberste Priorität hat. In ihrer Sturm- und Drangzeit symbolisiert zartrosa Spitzenwäsche mit Strumpfhalter die Sünde persönlich. Und es ist jeglicher Widerstand zwecklos, wenn ein Mädchen fragt, ob sie noch mit in ihre Wohnung kommen.

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Meine Berliner Kindheit von Barbara Schilling

Meine Berliner KindheitDer Roman Meine Berliner Kindheit von Barbara Schilling beginnt mit der Geburt von Helene im Mai 1939 in Berlin. Ihre Mutter ist erst 16 Jahre, den Vater lernt sie nie kennen. Dann bricht der Krieg aus und Helene verbringt ängstliche Stunden während der Bombenalarme in den Luftschutzbunkern. Das kleine Kind kennt nur Hunger, Flüchtlinge und Ausgebombte und stellt sich unter Frieden ruhigere Nächte vor. Sie hört von Schreckensmeldungen über gefallene oder in Gefangenschaft geratene Soldaten und weiß, dass einzig und allein das Überleben zählt. Notfalls auch auf Kosten der anderen. Tagsüber spielt sie in den Ruinen und kommt eines Tages mit von Leichengift verseuchtem Wasser in Berührung, woraufhin sie schwer erkrankt. Da der Hunger ihr täglicher Begleiter ist, wünscht sie sich zu Weihnachten 1944 nichts sehnlicher als ein ganzes Brot für sich.

Als das Ende des Krieges naht und die Soldaten der Roten Armee vorrücken, sieht sie, wie sich die Frauen von dunkler Ahnung getrieben ihre Kleider und Gesichter mit Dreck beschmieren, um unattraktiver zu sein.

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Kann ich dir jemals wieder vertrauen? von Andrew G. Marshall

Kann ich dir jemals wieder vertrauen?Andrew G. Marshall beginnt seinen Ratgeber Kann ich dir jemals wieder vertrauen? mit einer kurzen Einführung und statistischen Daten. Vorweg schickt er, dass jede Krise zur Bewältigung nicht nur Wochen, sondern Monate braucht und man in ihr nicht nur eine Gefahr, sondern immer auch eine Chance sehen sollte. Anschuldigungen jeglicher Art sollten unterbleiben und besser wäre es, Fragen zu stellen, um zu einem Gespräch zu kommen. Er geht auf die Körpersprache ein, mit der Lügen entlarvt werden können und klärt den Begriff einer Affäre überhaupt und wo die Grenzen echter Freundschaft liegen.

Marshall propagiert Ehrlichkeit, weil man nicht über die Verfehlung, sondern über die Vertuschung stolpert. Und er geht darauf ein, welche Rolle Sex bei der Untreue spielt. Dann wendet er sich den Gründen zu, die zur Untreue führen können, wobei meist erst ein Problem besteht, dazu eine schlechte Kommunikation untereinander kommt und letzten Endes die Versuchung.

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Toter als tot von Christine Tapking

Toter als totIn Toter als tot von Christine Tapking erzählt Friedrich Webeken, wie er bei einem Spaziergang mit seinem Hund einen toten Jogger im Gebüsch findet. Er sucht schnell den Polizisten Hanne Harms, seinen besten Freund aus Schultagen auf, um mit ihm an den Leichenfundort zurück zu kehren. Doch zu seinem Erstaunen ist die Leiche verschwunden! Er vermutet, dass der Mörder die Leiche während seiner kurzen Abwesenheit weggeschafft hat und glaubt wiederum seinen Augen nicht zu trauen, als er die „Leiche“ kurz darauf vor einem Edeka-Markt spazieren sieht! Er ist sich sicher, dass es sich um den gleichen Mann handelt, trägt er doch noch den Trainingsanzug, der ihm gleich so auffiel.

Ein paar Tage später wird dann aber eben dieser Mann tatsächlich tot aufgefunden. In einer Schubkarre in Lütjens Schuppen. Ausgerechnet da, wo Friedrich es als 14-jähriger im Hormonrausch mit Peter getrieben hat und dabei auch noch von seinem Vater erwischt wurde. Der Tote wurde dummerweise mit der Leine von Friedrichs Hund erdrosselt.

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Das fremde Kind von Olle Lönnaeus

Das fremde KindIn dem Kriminalroman Das fremde Kind von Olle Lönnaeus haben die Kriminalinspektorin Eva Ström und Kommissar Björn Bernhardsson die Morde an dem alten Ehepaar Signe und Herman Jönsson aufzuklären. Beide sind durch einen Genickschuss getötet worden. Für die ermittelnden Beamten könnten der leibliche Sohn Klas oder auch der Adoptivsohn Konrad ein Motiv gehabt haben, denn es geht immerhin um ein Erbe von 12 Millionen. Der 45-jährige Konrad hat seine Pflegeeltern vor 13 Jahren das letzte Mal gesehen und ist mit 17 Jahren von zu Hause ausgezogen. An seine leibliche Mutter kann er sich nur vage erinnern, man hat sie Polackenhure gerufen und er erinnert sich an eine eintätowierte Nummer auf ihrem Arm. Ihn plagen Schuldgefühle um einen Berufskollegen, der in Bagdad als Geisel erschossen wurde, sowie wegen seiner mittlerweile 20-jährigen Tochter, die er vernachlässigt zu haben glaubt und auch wegen seines früheren Freundes Sven, der wie er ein Außenseiter war. Konrad verliebt sich in Gertrud, die Schwester von Sven, die ihm ebenfalls wie der ortsansässige Journalist, Örjan Palander, zur Seite steht.

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Pilz inne Buxe von Ludger Stratmann

Pilz inne BuxeDas als Comic herausgegebene Buch Pilz inne Buxe von Ludger Stratmann kann gar nicht so gut sein, wie Doktor Stratmann, wenn man ihn in seinem Theater in Essen live erlebt! Aber es ist auf jeden Fall so gut gemacht, dass es sich lohnt, einen Blick in die Comics hinein zu werfen, die von Christina Groth-Lindenberg gezeichnet wurden.

Der Ruhrgebietsmensch, hier liebevoll Ruhri genannt, erfährt, dass er den Genitiv und Dativ nach dem Zufallsprinzip einsetzt, was zwar ein Fehler ist, aber man muss auch richtig falsch sprechen! Über Inge erfährt man, dass sie die geheimen erotischen Wünsche ihres Gatten Jupp platzen lassen kann. Und man wird darüber aufgeklärt, dass die glücksbringenden Hormone, die Endorphine, nicht nur beim Joggen vom Körper gebildet werden, nein, sondern auch schon, wenn man der Ehefrau bei der Arbeit zusieht. Wegen eines Verkehrsdeliktes wird Jupp gebeten, ob er Geld „für Leihen hat“ und gibt dann den Rat weiter, innerörtlich nur so schnell zu fahren, wie „mich dat finanziell erlauben kann“.

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